Versicherer vernachlässigen Klimarisiken
Versicherungsunternehmen weltweit vernachlässigen bislang die Risiken des Klimawandels in ihrem Risikomanagement. Eine Untersuchung der Klimaschutzorganisation Asset Owners Disclosure Project (AODP) zeigt, dass Versicherer im Vergleich zu Pensionsfonds das Thema bislang nahezu ignorieren.
Die im Juli 2016 veröffentlichte Studie konzentriert sich auf 80% der in dem entsprechenden Index vertretenen Assets, konkret auf die 116 größten Versicherer mit 15,3 Billionen US-Dollar AuM sowie 324 Pensionsfonds mit 15,9 Billionen US-Dollar AuM. Für den Index werden die Unternehmen nach den drei Kriterien Engagement, Risk Management und Low-Carbon bewertet und entsprechend gerankt. Die Bandbreite der Ratings geht von A+ bis D, darunter folgt die Kategorie X, für die Unternehmen, die keinerlei Aktivitäten hinsichtlich Klimarisiken zeigen.
Lediglich ein Versicherungsunternehmen, Aviva Insurance, befindet sich der Studie zufolge in der Kategorie der sogenannten Leaders (A-AAA), im Vergleich zu 26 Pensionsfonds. Der Anteil der Versicherungsunternehmen, die Klimarisiken im Risikomanagement beachten, liegt insgesamt mit 59 % über dem Anteil der Pensionsfonds (51 %). Das Volumen der Assets, bei denen keinerlei Klimarisiken in das Risikomanagement integriert werden, beläuft sich bei Versicherungsunternehmen auf 4,2 Billionen US-Dollar und bei Pensionsfonds auf 5,5 Billionen US-Dollar. Dennoch ist mit Blick auf die A-AAA-Ratings eine leichte Outperformance auf Seiten der Pensionsfonds, im Vergleich zu den Versicherungsunternehmen sowie zum Index, zu erkennen. 
Quelle: AODP
Engagement-Aktivitäten wurden lediglich bei 8 % der Versicherungsunternehmen und 16 % der Pensionsfonds festgestellt. Bei der deutlichen Mehrheit beider Gruppen sind Klimarisiken in der Zusammenarbeit mit Investmentunternehmen oder in Gesprächen mit Stakeholdern kein Bestandteil. CO2-Emissionen des Portfolios werden von 13 % der Pensionsfonds berechnet. Versicherungsunternehmen liegen hier mit einem Anteil von 5 % deutlich darunter. Der Anteil derer, die Risiken von Stranded Assets berücksichtigen, liegt bei beiden Gruppen wesentlich niedriger. 6 % der Pensionsfonds und 1 % der Versicherungsunternehmen integrieren diese Risiken in ihre Investmententscheidung. Vergleichsweise gering fällt das Volumen der Low-Carbon Investments aus, das sich bei den Versicherern auf insgesamt 30 Milliarden US-Dollar beläuft und einem Anteil von 0,2 % entspricht. Das Volumen der Pensionsfonds liegt mit insgesamt 93 Milliarden US-Dollar deutlich darüber, erreicht dennoch lediglich einen Anteil von 3,5 %.
Quelle: AODP
Die Autoren heben die Bedeutung der Versicherungsbranche für die Förderung eines langfristig orientierten Wirtschaftssystems hervor. Durch eine Umschichtung des Investitionsvolumens, das einem Drittel der weltweiten Investments entspricht, könnte der Übergang zu einer Low-Carbon Economy deutlich gefördert und Risiken minimiert werden.
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