10.05.2010 | Research

Zins- und Kostenanalyse von Mikrofinanzinstituten

Professor Mohammed Yunus gilt als Vorreiter von Microfinance. Der Frage, ob Mikrofinanzinstitute (MFIs) tatsächlich nachhaltige Entwicklung betrieben oder ob Microfinance wegen der hohen Zinsen einer Ausbeutung der Armen darstellt, antwortete er mit einem einfachen System, das aufgrund der Differenz von Zinsen und Finanzierungskosten MFIs in drei Gruppen einteilt. Demnach würden 75 % alles MFIs weltweit in der sog. Roten Gruppe liegen und Profitmaximierung betreiben.

Eine Analyse der Microfinance Information Exchange von Februar 2010 untersucht nun die Daten von 761 MFIs, um einen genaueren Einblick in die Kostenstruktur von MFIs zu geben.


Quelle: Microfinance Information Exchange

Für ihre Analyse definieren die Autoren den Yield als die durchschnittlichen Zinseinkünfte eines MFIs und Premium als die Differenz von Yield und Finanzierungskosten. Im Ergebnis stellen operative Kosten den größten Treiber der definierten Kennzahlen dar, Profit ist hingegen nachrangig. Ein Hauptgrund für die Zuordnung eines MFIs in die Rote Gruppe lägen nach Aussagen der Autoren in der Kostenstruktur. Der Median der operativen Kosten einer bestimmten Region sei negativ korreliert mit der Zugehörigkeit zur sog. Grünen Gruppe, die nachhaltige Ziele verfolgen. Institute der Roten Gruppe haben im Schnitt die höchsten operativen Kosten und die niedrigsten Kredite pro Kreditnehmer. Dies träfe auch auf 82 % gemeinnütziger Organisationen wie Safe the Children, Mercy Corps und Freedom from Hunger zu.


Quelle: Microfinance Information Exchange

Im Ergebnis stehen hohe Zinsen in erster Linie in Zusammenhang mit hohen operativen Kosten, was besonders auf sehr arme Länder mit niedrigen Krediten pro Kopf und schlechter Infrastruktur zutrifft. In weiter entwickelten Ländern wie beispielsweise Bolivien sei das Zinsniveau hingegen vergleichsweise niedrig.

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