Wechselwirkungen zwischen Anlagemärkten weltweit
Ein Arbeitspapier der Europäischen Zentralbank untersucht die Wechselwirkungen globaler Asset-Märkte untereinander und die Ansteckung regionaler Märkte in "normalen" und Krisenphasen. Die Autoren John Beirne und Jana Gieck betrachten die wöchentlichen Wertentwicklungen von Aktien, Staatsanleihen und Währungen von 63 Ländern zwischen 1998 und 2011. Ihre Analyse differenziert dabei in die Entwicklung über die gesamte Betrachtungsperiode und die Veränderung in Stressphasen, welche die Autoren anhand des Global Financial Stress Indikators der Federal Reserve Bank von St. Louis definieren.
Quelle: Beirne, Gieck (2012)
Es lassen sich deutliche Unterschiede zwischen "normalen" und Stressphasen einerseits und zwischen Industrie- und Schwellenländern andererseits erkennen. Die weltweite Vernetzung der Märkte zwischen entwickelten und Schwellenländern ist im Aktienbereich am größten. Die Wertentwicklung von Bonds und Währungen aus Schwellenländern dagegen ist wesentlich weniger stark mit der jeweiligen globalen Marktentwicklung verknüpft. In Industriestaaten ist die Marktentwicklung auf nationaler Ebene für alle drei Asset-Klassen sehr stark an die jeweilige globale Marktentwicklung gekoppelt.
Die Betrachtung von Wechselwirkungen zwischen Asset-Klassen zeigt bei Staatsanleihen, dass diese in Schwellen- und Industrieländern auf globale Aktienmarktschocks unterschiedlich reagieren. In Industrieländern belegen die Autoren steigende, in Schwellenländern sinkende Renditen, was ein Indiz dafür sein kann, dass Staatsanleihen aus Industrieländern einer steigenden Risikoaversion stärker ausgesetzt sind als Anleihen aus Schwellenländern. Darüber hinaus ist die Währungsentwicklung in Schwellenländern stärker vom Geschehen auf den globalen Aktienmärkten abhängig als von den globalen Währungsbewegungen.