Unbepreistes Risiko verzerrt das Marktbeta
US-Aktienindizes messen das Marktportfolio systematisch verzerrt, weil ihre value-weighted Marktrendite auf börsennotierte Firmen (VMF) einen unbepreisten Renditebestandteil enthält und dadurch CAPM-Betas sowie daraus abgeleitete Diskontraten unterschätzt werden. Ein Research Paper von Sung Je Byun, Johnathan Loudis und Lawrence D. W. Schmidt zeigt, dass ein neu konstruierter Broad Market Factor (BMF) als Proxy für die value-weighted Eigenkapitalrendite aller US-Firmen (börsennotiert und privat) diese Verzerrung reduziert.
Ausgangspunkt ist die starke Selektivität öffentlicher Kapitalmärkte: In den USA existieren Millionen Unternehmen, aber nur wenige tausend sind börsennotiert, und die Börsenkapitalisierung konzentriert sich dauerhaft auf eine kleine Zahl sehr großer Unternehmen. Weil diese überrepräsentierten Firmen in ihrer Entwicklung und Bewertung nicht immer die gleiche wirtschaftliche Realität widerspiegeln wie die Gesamtmenge aller Firmen, kann die Rendite des öffentlichen Aktienmarkts von Bewegungen beeinflusst werden, die für das gesamte Investorenvermögen weniger relevant sind. Die Autoren fassen diesen Unterschied im Idiosyncratic Financial Factor als Differenz zwischen VMF und BMF zusammen.
Quelle: Byun, Loudis, Schmidt, 2026
Zur Konstruktion des BMF werden monatliche Renditen börsennotierter US-Aktien im Zeitraum 1963 bis 2021 so umgewichtet, dass die resultierende Aggregation die Größen- und Branchenstruktur der gesamten US-Unternehmenspopulation abbildet, einschließlich der nicht gelisteten. Die daraus abgeleitete Differenzgröße IFF weist im Durchschnitt eine Rendite nahe null auf und entwickelt sich nicht systematisch im Gleichlauf mit gängigen Konjunktur- und Finanzindikatoren. Insgesamt ist dies konsistent mit der Interpretation, dass IFF-Schwankungen nicht mit einer stabilen, ökonomisch relevanten Risikoprämie vergütet werden.
Quelle: Byun, Loudis, Schmidt, 2026
Werden Standard Tests mit dem BMF statt mit dem VMF durchgeführt, steigen für viele Portfolios die geschätzten Marktrisiken, durchschnittliche CAPM Fehlbewertungen gehen deutlich zurück und der Size-Effekt verschwindet weitgehend. Zudem zeigt sich über die Zeit ein klarerer Zusammenhang zwischen höherer wahrgenommener Marktrisikolage und höheren erwarteten Marktrenditen.
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