08.06.2026 | Märkte

Globale Fiskalpolitik unter wachsendem Schuldendruck

Die globale Staatsverschuldungsdynamik hat sich 2025 nicht wesentlich verbessert, und der Ausbruch des Krieges im Nahen Osten hat eine neue Quelle fiskalischen Drucks in einer bereits angespannten globalen Lage geschaffen, zeigt eine Analyse des IWF. Der Konflikt wirkt über gestörte Energieversorgung, höhere Preise, engere Finanzierungsbedingungen und zusätzliche Ausgabenbedarfe. 

Die globale Bruttostaatsverschuldung stieg 2025 auf knapp 94% des BIP und dürfte bei unveränderter Entwicklung bis 2029 100% erreichen. Zugleich ist der globale fiskalische Puffer nahezu verschwunden: Der Abstand zwischen den projizierten Primärsalden und dem zur Stabilisierung der Schuldenquote nötigen Niveau liegt nahe null. Hinzu kommen steigende Zinsausgaben, die innerhalb von vier Jahren von 2 auf fast 3% des globalen BIP zugenommen haben. Die größten Volkswirtschaften prägen den Ausblick stark. Die USA verzeichnen trotz nahezu ausgelasteter Wirtschaft Defizite von 7 bis 8% des BIP; die Bruttoverschuldung dürfte bis 2031 auf 142% des BIP steigen. China stützt die Binnennachfrage fiskalisch, wodurch das Defizit ein ähnliches Niveau wie in den USA gestiegen ist; die Schuldenquote dürfte bis 2031 in Richtung 127% steigen. Auch Japan, Europa, Schwellenländer und einkommensschwache Länder stehen vor wachsenden Belastungen.

 
Quelle: IWF

Der fiskalische Ausblick hat sich seit April 2025 weiter verschlechtert. Die globale Verschuldung im Risikoszenario liegt über drei Jahre betrachtet bei knapp 117% des BIP. Ein länger anhaltender Nahostkonflikt könnte diese Kennzahl über höhere Lebensmittel- und Energiepreise, engere Finanzierungsbedingungen, geringere Aktivität und höhere Verteidigungsausgaben um weitere 4 Prozentpunkte erhöhen. Eine Korrektur KI-bezogener Vermögenspreise könnte zusätzlich belasten. Weitere Risiken ergeben sich aus Protektionismus, geoökonomischer Fragmentierung, sozialen Unruhen und Druck auf Zentralbanken. Zusätzliche Verwundbarkeit entsteht an den Staatsanleihemärkten. Da Zentralbanken ihre Bestände abbauen, müssen Staaten neue Schulden stärker bei privaten Investoren platzieren. Zugleich kann das wachsende Angebot an US-Staatsanleihen die globalen Finanzierungskosten erhöhen, weil US-Renditen als Referenz für andere Anleihemärkte wirken. 


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