Umsetzung von Nachhaltigkeit in der Beschaffung von Unternehmen
Insbesondere in der Bekleidungsindustrie sind Lieferketten sehr lang und weit verzweigt, was es den Mutterunternehmen erschwert, die Nachhaltigkeit aller involvierten Subunternehmen laufend zu kontrollieren, obwohl dies erhebliche Auswirkungen auf den Aktienkurs nehmen kann. In einer aktuellen Studie zeigt das Bankhaus Sarasin die Bedeutung der konkreten Umsetzung nachhaltiger Kriterien für Unternehmen auf. Im Zentrum steht ein doppelter Interessenkonflikt, denn einerseits sind die Unternehmen daran interessiert, möglichst wenig für die Herstellung aufzuwenden, da die Konsumenten unverändert preissensibel reagieren, andererseits sollten "Bad News" nach Möglichkeiten vermieden werden. Die beteiligten Niedriglohnstaaten auf der anderen Seite fürchten die negativen Auswirkungen für die Beschäftigung, die sich aus einer schärferen Regulierung der Arbeitsmärkte ergeben, wollen auf der anderen Seite jedoch Unruhen und Streiks verhindern.
Quelle: Safra Sarasin
Auf kurze Sicht wirkt sich die nicht nachhaltige Beschaffung kaum auf den Firmenwert aus. Langfristig hingegen bestehen bei kontroversen Ereignissen durchaus Risiken für die Reputation der Marke, wenn es beispielsweise zu Unfällen in den Fabriken kommt oder die Öffentlichkeit von schlechten Bedingungen in den Produktionsstätten erfährt. Sarasin zeigt, dass in 37 % der untersuchten kontroversen Ereignisse eine Underperformance des Aktienkurses zum Branchenindex nachweisbar ist. Weitere negative Effekte sind Streiks, höhere Personalfluktuation, was Qualitätseinbußen in der Produktion nach sich zieht, und geringere Produktivität durch Motivationsmangel.
Quelle: Safra Sarasin
Der steigende Druck durch Investoren, NGOs und Medien wird tendenziell die Unternehmen dazu anhalten, ihre Lieferketten so nachhaltig wie möglich zu gestalten, auch wenn dies die Kosten steigert. Ein Ansatz kann eine soziale und ökologische Erfolgsrechnung darstellen, die nicht nur ökonomische Größen berücksichtigt, sondern ebenso nicht unmittelbar sichtbare Kosten, wie z.B. striktere Umweltregulierungen und steigende Preise zunehmend knapper werdender Ressourcen. So können CO2-Emissionen oder Wasserverbrauch, umgerechnet in monetäre Größen, in die Erfolgsrechnung einfließen und im Optimierungsprozess berücksichtigt werden, wodurch sich zudem das Risikomanagement verbessert.