Deutsche Pensionseinrichtungen reagieren auf Zinsumfeld
Deutsche Pensionseinrichtungen investieren zwar vor allem in konservative Anlagen, sichern sich jedoch nur in wenigen Fällen gegen Extremrisiken ab, zeigt eine Studie von Towers Watson zur Anlage von Pensionsvermögen von Ende Juli. Dabei hat sich jedoch in erster Linie die Risikowahrnehmung deutscher Investoren geändert. Das Niedrigzinsumfeld wird von den meisten als Normalzustand und nicht als Ausnahmesituation wahrgenommen. Für die Studie wurden insgesamt 128 deutsche Unternehmen mit großen Pensionsvermögen befragt. Insgesamt umfassen die in der Studie vertretenen Planvermögen 128 Mrd. Euro. Das größte Risiko sehen die Befragten in einer Änderung des Rechnungszinses und den damit verbundenen Verschiebungen der Zinskurve. Allerdings hat die Mehrheit der Befragten bereits auf die Möglichkeit steigender Zinsen reagiert und sich entsprechend abgesichert, zeigt die Studie.
Quelle. Towers Watson
Sowohl im Aktien- als auch im Anleihenportfolio haben Investoren demzufolge die Diversifikation erhöht. Im Anleihenportfolio liegen nach wie vor die stärksten Gewichte auf Core-Staatsanleihen und Investment-Grade-Unternehmensanleihen. Zunehmend werden aber auch alternative Rentenprodukte allokiert, insbesondere Schwellenländer- und Hochzinsanleihen sowie Senior Secured Loans. Auf der Aktienseite entfällt knapp die Hälfte auf globale Titel, rund 39 % auf die Eurozone. Im Gegensatz zum Anleihenbereich werden passive Investmentstrategien hier insbesondere auf globaler Basis häufiger implementiert. Bei den alternativen Asset-Klassen stehen Unlisted Real Estate und Rohstoffe an erster Stelle.
Quelle. Towers Watson
Die strategische Asset-Allokation orientiert sich bei 67 % der befragten Unternehmen stark an der Struktur der Pensionsverpflichtungen, während Asset-basierte Risiko-Rendite-Aspekte mit 39 % eine vergleichsweise untergeordnete Rolle spielen, was vor zehn Jahren noch umgekehrt war. Dies reflektiert die Risiken der Pensionsverpflichtungen für die Bilanzen der Unternehmen. Auch werden qualitative Modelle und Kriterien in der Asset-Allokation mittlerweile als genauso wichtig erachtet wie quantitative. In die Formulierung der Anlagestrategie sind in den meisten Fällen Vorstand, Investment-Komitee, Treasury und die Pensionsfachabteilung eingebunden, während die operative Umsetzung zumeist nur dem Treasury obliegt. Im Portfoliomanagement dagegen wird zunehmend auf externe Berater zurückgegriffen.