20.04.2026 | Research

Spillover-Effekte im Corporate-Bond-Pricing

Ein erheblicher Teil der prognostizierbaren Renditen von Unternehmensanleihen entsteht durch Spillover-Effekte zwischen verschiedenen Anleihen und nicht nur durch die eigene Renditedynamik einzelner Anleihen, zeigt ein Research Paper von Doron Avramov, Gergana Jostova und Alexander Philipov. Die Autoren untersuchen die Vorhersagbarkeit von Renditen im Markt für Unternehmensanleihen. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie prognostizierbare Renditeinformationen zwischen verschiedenen Anleihen übertragen werden. 

Die Autoren entwickeln ein Portfolio-Framework, das vorhersagbare Renditen in zwei Komponenten trennt: Vorhersagbarkeit, die aus der eigenen Renditedynamik einer Anleihe entsteht, sowie Vorhersagbarkeit, die aus Informationen anderer Anleihen stammt und über Spillovers übertragen wird. Das Datensample umfasst monatliche Renditen von mehreren zehntausend US-Unternehmensanleihen aus den Datenbanken ICE (1997 bis 2024) und TRACE (2002 bis 2023). Die Analyse zeigt, dass mehr als 95 % der erwarteten Strategiegewinne auf zeitliche Zusammenhänge zwischen den Anleiherenditen zurückzuführen sind. Dabei tragen eigene Renditedynamik und Spillover-Effekte zwischen verschiedenen Anleihen etwa gleich stark zur Profitabilität bei.


Quelle: Avramov, Jostova, Philipov, 2026

Weiterhin wird untersucht, in welchen Teilen des Bond-Marktes diese Predictability-Effekte besonders stark sind. Dazu werden Anleihen nach 82 Merkmalen, darunter etwa Yield, Duration oder Liquiditätskennzahlen, in Portfolios sortiert. Auf die Renditen dieser Portfolios wird anschließend das zuvor entwickelte Modell angewendet, um daraus Long-Short-Strategien abzuleiten und deren Performance zu analysieren. Dabei zeigen sich besonders hohe Renditen bei Portfolios mit kreditrisikobezogenen Merkmalen, während Strategien auf Basis von Handelsfriktionen ebenfalls positive, aber niedrigere Erträge erzielen. Strategien, die ausschließlich Spillover-Informationen nutzen, erreichen zudem hohe Sharpe Ratios: Im ICE-Datensatz liegt diese bei 1,35, gegenüber 1,14 bei Strategien, die nur auf eigener Renditedynamik basieren. 

Die Autoren interpretieren diese Spillover-Effekte als Folge einer verzögerten Preisanpassung an veränderte Kreditbedingungen, bei der Informationen zunächst nur in einem Teil des Marktes reflektiert werden und sich anschließend auf andere Anleihen übertragen.


Absolut Research analysiert institutionelle Publikumsfonds mit Fokus auf Unternehmensanleihen jeden Monat in der Publikation Absolut|ranking Fixed Income Corporate Bonds. Insgesamt analysiert Absolut|ranking mehr als 16.000 aktive und passive Strategien von 2.000 Asset Managern, aufgeteilt auf 34 Assetklassen und Marktsegmente sowie mehr als 200 Universen. Individuelle Mandate und Spezialfonds können ebenfalls untersucht werden.

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