07.07.2015 | Research

Smart-Beta-ETFs mit unerwünschten Faktor-Exposures

Denys Glushkov von der University of Pennsylvania ist in einem Forschungspapier der Frage nachgegangen, ob Smart-Beta-ETFs traditionelle nach Marktkapitalisierung gewichtete Benchmarks schlagen können und tatsächlich geeignet sind, bestimmte Faktor-Exposures aufzubauen. Hierzu hat der Autor ein Sample von 164 US-domizilierten ETFs für den Zeitraum 2003 bis 2014 verwendet. Zunächst wurde die Performances der Smart-Beta-Produkte mit einer klassischen kapitalisierungsgewichteten Benchmark verglichen, bevor die risikoadjustierte Rendite zu Grunde gelegt wurde und zuletzt eine handelbare Mischung bestehender passiver kapitalisierungsgewichteter Fonds mit Markt-, Value- und Small Cap Exposure als Vergleichsmaßstab herangezogen wurde (Blended Benchmark).


Quelle: Glushkov (2015)

Von den 15 untersuchten Smart-Beta-Kategorien schafften es neun, ihre kapitalisierungsgewichtete Benchmark im Mittel um 1,3 Prozentpunkte im Jahr zu schlagen, während die anderen eine Underperformance von 2,26 Prozentpunkten erzielten. Dividendenprodukte lagen sogar 3,9 Prozentpunkte zurück. Per Dezember 2014 lagen lediglich Equal-Weighted, Risk-Weighted und Volatility auf Sicht von 12 Monaten vor der Benchmark. Risikoadjustiert erzielten fünf der Smart-Beta-Kategorien eine bessere Performance als die Benchmark. Gegenüber der Blended Benchmark schaffte es jedoch keine einzige der untersuchten Smart-Beta-Kategorien für den untersuchten Zeitraum, eine höhere Rendite zu erzielen - weder absolut noch risikoadjustiert. Gerade unter dem Kosten-Gesichtspunkt ist die Verwendung kapitalisierungsgewichteter Portfolios sinnvoller, und das unabhängig von der Marktbewegung, so das Fazit des Autors.


Quelle: Glushkov (2015)

Abschließend wurde untersucht, ob Smart-Beta-ETFs in ihrer derzeitigen Konstruktionsweise geeignet sind, die gewünschten Faktor-Exposures zu liefern. Die Ergebnisse hier sind durchwachsen. Während Size und Momentum recht gut abgebildet werden, sind gerade Quality und Volatility unter Berücksichtigung der Korrelation zu anderen Faktoren nur unzureichend dargestellt. So können unerwünschte Faktoren, die sich aus der Indexkonstruktion ergeben, die positiven Effekte der gewünschten Faktoren überkompensieren. Fundamental gewichtete ETFs profitieren zwar vom Value-Faktor, weisen jedoch negatives Exposure zu Momentum, Quality und Volatility auf. Bei der Indexkonstruktion muss daher viel Beachtung auf Kreuzkorrelationen gelegt werden, um den tatsächlich gewünschten Faktor zu isolieren.

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