Sinkende Abhängigkeit der Schwellenländer von Rohstoffexporten
In einer Marktanalyse hat AB Europe - ehemals Alliance Bernstein - die Konsequenzen des Preisanstiegs vieler Rohstoffe in den vergangenen zehn Jahren auf Schwellenländer untersucht. Vor allem für die großen Rohstoffexportländer, beispielsweise Kasachstan, Venezuela und Chile, haben die steigenden Notierungen der Rohstoffe zu einer massiven Verbesserung der Terms of Trade geführt, während bei anderen Staaten wie Südkorea, Taiwan und Singapur die gegenteilige Entwicklung zu beobachten war. Trotz des Rückenwinds steigender Exportpreise haben die Netto-Exporteure jedoch im Mittel keine höheren Wachstumszahlen erreichen können, als die Netto-Importeure. Ein ähnliches Bild ergibt sich bei Betrachtung der Haushaltssalden: In den vergangenen zehn Jahren haben sich die Haushaltssalden in den Emerging Markets zwar im Schnitt verbessert, bei den Rohstoffexporteuren unter ihnen dagegen verschlechtert. Grund hierfür sind deutliche Budgetausweitungen in Zeiten besonders stark steigender Preise, die bei Kontraktionen entsprechend zu roten Zahlen führen. Dennoch hat sich unter dem Strich das Sovereign Credit Rating aller betrachteten Teilregionen verbessert. 
Quelle: AB Europe
Bei der Frage, wohin die zusätzlichen Mittel aus den Preisanstiegen bei den Rohstoffexporteuren geflossen sind, ergibt sich ein heterogenes Bild. In Kasachstan, Kolumbien und Argentinien ist die Sparquote deutlich angewachsen, gleichzeitig stiegen die Investitionen. In anderen Ländern, vor allem der Ukraine, ging die Sparquote signifikant zurück, was durch Konsum der politischen und wirtschaftlichen Elite sowie Kapitalflucht erklärt wird. Die Autoren folgern, dass die Länder, die in der Vergangenheit ihre fundamentalen Daten verbessern konnten, namentlich Kolumbien, Indonesien, Kasachstan und Mexiko, für die Zukunft solider aufgestellt sind. Damit können sich auch Rückgänge ihrer Terms of Trade, die durch sinkende Rohstoffpreise induziert sind, leichter verkraften. Insgesamt zeigt sich, dass ein Boom am Rohstoffmarkt nicht notwendigerweise mit einer erfolgreichen Entwicklung der Exporteure einhergeht, sondern politische Reformen die Determinante des Erfolgs darstellen.