Rohstoffpreise für Inflation in Industrieländern langfristig kaum von Bedeutung
Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat eine Studie zur Preisentwicklung von Commodities herausgegeben. Diese untersucht sowohl die Preisaussichten für Rohstoffe, als auch deren Wirkung auf die künftige Inflation. Demnach seien trotz jüngst gesunkener Preise im Zuge des globalen Wirtschaftsabschwungs Risiken für Zweitrunden-Effekte vorhanden, besonders in jenen Ländern, die über eine nur beschränkt glaubwürdige Geldpolitik verfügten.
Den hohen Preisanstieg, besonders von Öl und Nahrungsmitteln, sehen die Autoren in strukturellen Ursachen wie Versorgungsengpässen z.B. durch Ernteausfälle nach Dürreperioden in 2006 und 2007. Beispielsweise ging die produzierte Getreidemenge von über 75 Mio. Tonnen auf 70 Mio. zurück. Weiterhin spielen Investitionsstaus beim Ausbau von Förderkapazitäten, geringe Lagerbestände und Schwellenländer-Wachstum, das die sinkende Nachfrage der Industrieländer kompensiere, eine Rolle. Für den Rohölpreisanstieg machen die Autoren u.a. die künftigen Explorationskosten für vorhandene Ölreserven verantwortlich. Mit dem Anstieg in den letzten Jahren seien diese Kosten bereits vorweg eingepreist worden.
Die zugrundeliegenden Risiken für Rohstoffpreise und Inflation blieben vorerst trotz der gesunkenen Preise bestehen. In einer Analyse der Preistreiber für Nahrungsmittel führen die Autoren 25% - 45% des Anstiegs auf die gesteigerte Produktion von Biokraftstoffen zurück. Weitere 20% seien auf gestiegene Kosten der Treibstoffe und Düngemittel zurückzuführen. Die Autoren bestätigen somit auch andere Studien, wonach der Preisanstieg fundamental begründet sei und nicht auf "Spekulanten" zurückgeführt werden könne. Der IWF-Studie zufolge seien Rohstoffe, die auf Futuresmärkten keine Rolle spielten (z.B. Reis oder Eisenerz), stärker gestiegen, als jene Rohstoffe, die in einem der großen Indizes wie dem S&P GSCI enthalten seien.
Die Auswirkungen der Rohstoffpreise auf die Inflation seien für Industrie und Schwellenländer verschieden. Kurzfristig sei aufgrund des Durchreichens der Preise an den Markt mit höheren Inflationsraten zu rechnen. In Industrieländern sei langfristig aber nicht mit Änderungen der Kerninflationsrate zu rechnen, da die Energieintensität in den Industrieländern gegenüber 1973/74 um 40% gesunken sei und sich auch der Anteil an Nahrungsmitteln im Warenkorb halbiert habe. Weiterhin habe sich in der Vergangenheit das Verfolgen eines Inflationsziels der Notenbanken positiv bemerkbar gemacht. In Inflationsprognosen mache sich daher die derzeitige Situation nicht bemerkbar.
In Entwicklungsländern, in denen Nahrungsmittel einen beträchtlichen Anteil am Warenkorb haben und deren Geldpolitik nur bedingtes Vertrauen entgegengebracht werde, sei auch langfristig mit höheren Inflationsraten zu rechnen. Diese würden sich auch in stärkerem Maße auf die Kerninflation niederschlagen. Es wird damit gerechnet, dass sich 50% des Preisanstiegs für Nahrungsmittel auf die Kerninflation durchschlagen. Hier werde in Langfristprognosen noch in 6 - 10 Jahren mit einem Einfluss von 0,05 Prozentpunkten auf die Inflation gerechnet. Um die Inflation unter Kontrolle zu halten, sei in diesen Ländern eine Straffung der Geldpolitik nötig, die bislang allerdings ausgeblieben ist.