02.11.2015 | Research

Risiken eines Zinsanstiegs für deutsche Lebensversicherer

Mark Feodoria von der Christian-Albrechts-Universität Kiel und Till Förstemann von der Bundesbank haben in einem Forschungspapier die Auswirkungen eines positiven Zinsschocks auf die deutschen Lebensversicherer untersucht. Ende 2013 verwalteten die deutschen Lebensversicherer Assets in Höhe von 918 Mrd. Euro, wobei 846 Mrd. Euro tatsächliche Investments darstellen. Werden den Assets die Verbindlichkeiten gemäß Solvency gegenübergestellt, ergibt sich ein Puffer von rund 140 Mrd. Euro, also rund 15 % der Assets. Bei einer mittleren Modified Duration der Investments von 7,2  % bedeutet dies, dass der Puffer bei einem Zinsanstieg von 2,1 Prozentpunkten aufgebraucht wäre.


Quelle: Feodoria, Förstemann (2015)

Seit dem Beginn der Finanzkrise ist der Puffer von ca. 7,5 % auf 15 % angestiegen, was sich auf Kursgewinne festverzinslicher Anlagen im Zuge sinkender Zinsen zurückführen lässt. Mit der Fälligkeit laufender, hochverzinslicher Anlagen ist dieser Puffer jedoch bereits wieder im Sinken begriffen. Gleichzeitig haben die Assekuranzen die Duration ihrer Investments erhöht, um weiterhin auskömmliche Renditen zu erwirtschaften, was jedoch auch die Zinssensitivität erhöht hat. Für die 60 größten deutschen Lebensversicherer ist das kritische Zinsniveau, ab dem der Marktwert der Assets nicht mehr zur Deckung der Verbindlichkeiten ausreicht, seit 2007 von 6,3 % auf 3,8 % per Ende 2011 gesunken und hat sich bis Ende 2013 wieder auf 4,1 % erholt. Gründe für diese Erholung sind einerseits geringere Gewinnausschüttungen, andererseits wurden die Anbieter zum Aufbau einer Zinszusatzreserve gezwungen.

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