Quantifizierung der Stranded-Asset-Risiken im Stromsektor
Eine empirische Studie beziffert erstmals auf Unternehmensebene, welche Stromkonzerne durch ambitionierte Klimapolitik die größten finanziellen Verluste tragen. Ein kalifornisches Forschungsteam um Robert Fofrich Navarro zeigt, dass von den 100 Firmen mit den wertvollsten Stranded Assets die größten staatseigene Konzern sind. Die 25 größten Unternehmen halten zusammen über 770 Mrd. USD (1,5-Grad-Szenario) bzw. 224 Mrd. USD (2-Grad-Szenario) an gefährdeten Vermögenswerten. Hintergrund ist, dass fossile Kraftwerke vor dem Ende ihrer Lebensdauer stillgelegt oder teuer nachgerüstet werden müssten, um die internationalen Klimaziele zu erreichen. Verkürzte Laufzeiten und entgangene Einnahmen werden so zu Stranded Assets und erzielen keine rentable Rendite mehr.

Quelle: Fofrich Navarro, R. (University of California, Los Angeles); Liebermann, L. (University of California, Irvine); Moore, F. C. (University of California, Davis); Shearer, C. (Global Energy Monitor); Davis, S. J. (Stanford University).
In der Studie wurden über 16.000 fossile Kraftwerke zur Elektrizitätserzeugung weltweit analysiert und deren Einkommensverluste unter verschiedenen CO2-Preisszenarien berechnet. Dabei wurde angenommen, dass Betreiber 90 % der zusätzlichen Kosten an Verbraucher weitergeben können. Kohlekraftwerke verursachen demnach rund 75 % der Zusatzkosten.
Mehr als die Hälfte der Kosten entfällt auf China, gefolgt von Indien und den USA. Zehn Unternehmen tragen 24 % der Gesamtkosten. Besonders betroffen sind Chinas fünf größte Stromproduzenten – darunter Huaneng, Datang und Huadian –, die der staatlichen Aufsichtsbehörde SASAC unterstehen. Diese Konzerne betreiben relativ junge Kraftwerke; das durchschnittliche kapazitätsgewichtete Alter der Kohlekraftwerke in China und Indien liegt unter 15 Jahren.
Insgesamt summieren sich die gestrandeten Vermögenswerte je nach Szenario auf bis zu 1,9 Bio. USD. Die Autoren betonen, dass diese Konzentration starke Anreize schaffen kann, sich rascher Dekarbonisierung zu widersetzen. Die Werte seien keine Prognosen, sondern ein relativer Risikoindikator, stellen die Autoren klar.
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