26.11.2015 | Studie

PwC warnt vor sinkender Liquidität in immer mehr Asset-Klassen

In einer 150-seitigen Studie untersucht die Beratungsgesellschaft PwC die Entwicklung der Liquidität und Marktdynamik in den globalen Finanzmärkten. Im Fokus der Ende August veröffentlichten Untersuchung stehen alle relevanten Asset-Klassen. Die Analyse zeigt, dass in den Sekundärmärkten Asset-Klassen-übergreifend eine rückläufige Liquidität zu beobachten ist. Marktteilnehmer berichten der Studie zufolge von wachsenden Schwierigkeiten, einen Transaktionspartner zu finden, für kleine wie für große Deals.
Weiterhin ist in einigen Märkten eine Spaltung der Marktliquidität zu beobachten, d.h., die Liquidität konzentriert sich auf wenige hochliquide Titel, während die weniger nachgefragten Instrumente weiter an Liquidität verlieren.
Nach Auffassung der Autoren sind die Reformen der Finanzmarktregulierung zentral für diese Entwicklung. Banken, Broker und Dealer haben weniger Anreize, die Risiken des Market-Making zu übernehmen. Weitere Faktoren sind ein insgesamt gestiegenes Volumen der globalen Kapitalmärkte, sowie das Horten liquider Wertpapiere in Folge der Finanzkrise.


Quelle: PwC

In den Märkten für Anleihen, Credits, Derivate und Rohstoffe ist der Rückgang besonders stark. Mit dem Übergang von Basel 2.5 (2011) auf Basel 3 (2014) sind die Eigenkapitalanforderungen für Banken bezogen auf Credits wesentlich gestiegen. Gleichzeitig sanken bei europäischen Unternehmensanleihen die beobachteten Handelsvolumina zwischen 2010 und 2015 um bis zu 45 %. Die Studie berichtet, dass für Investoren große Transaktionen ohne Beeinflussung der Preise immer schwieriger durchzuführen sind. Allerdings scheinen Marktteilnehmer Liquiditätsrisiken aufgrund des Niedrigzinsumfelds noch nicht systematisch einzupreisen. Eine Analyse des Z-Spreads für europäische Corporates zeigt, dass die Prämien für das Kreditrisiko seit 2011 stark zurückgegangen sind, während die Liquiditätsprämie konstant blieb. Der Z-Spread misst die Zinsdifferenz zur Treasury-Spot-Kurve unter der Annahme eines Haltens bis zur Fälligkeit.


Quelle: PwC

Die Autoren der Studie warnen, dass viele Auswirkungen durch die expansive Geldpolitik der Quantiative-Easing-Programme derzeit noch verschleiert werden. In einem Stressszenario oder bei einem raschen Ende der QE-Programme, könnten Instabilitäten und Liquiditätsrisiken offenkundig werden und zu einem starken Anstieg der Volatilität binnen kürzester Zeit führen, schreiben die Autoren. Zwar nehmen alternative Market-Maker, wie Algo- und High-Frequency-Trader oder Hedgefonds, eine wachsende Rolle als Liquiditäts-Provider ein, in einem Stressszenario dürfte ihr Einfluss jedoch weder kurz- noch mittelfristig zu einer Stabilisierung führen, heißt es in der Studie. Dagegen könnten elektronische Handelsplattformen, der wachsende ETF-Markt und die Öffnung einiger Marktsegmente für Nicht-Banken einen positiven Einfluss auf die Liquidität einzelner Asset-Klassen haben.

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