Problematik hoher Mittelabflüsse bei Hedgefonds
Ein aktuelles Arbeitspapier des Beratungshauses Houlihan Lokey und der Kanzlei SJ Berwin untersucht die Problematik der Mittelrückforderung von Hedgefondsinvestoren in der aktuellen Marktsitutation und zeigt mögliche Lösungen für die Fonds auf.
Hedgefonds sahen sich während der Finanzkrise mit umfangreichen Mittelabzügen ihrer Investoren konfrontiert. Diese Rückflüsse stellen für Hedgefonds in einem kritischen Marktumfeld ein großes Problem dar. Der plötzlich gestiegene enorme Liquiditätsbedarf konnte nur durch den Verkauf von oft illiquiden Aktiva bedient werden, was nur mit Verlusten oder zu hohen Abschlägen möglich war. Dies kann dazu führen, dass einige Fonds ihren Geschäftsbetrieb nicht fortführen, oder ihren Anlegern kein ausgewogenes Portfolio mehr garantieren können, insbesondere wenn nur bestimmte Portfolioanteile kurzfristig absetzbar waren.
Als Lösung ergibt sich für Hedgefonds demnach die Möglichkeit, Subfonds für die illiquiden Aktiva zu gründen (sog. "Side Pockets"), deren Auszahlungsstruktur wie bei Private-Equity-Fonds an eine Realisierung gekoppelt ist. Zweitens können Fonds die Rücknahme durch "Gates" beschränken. Investoren können dann an einem Rückgabetermin nur einen bestimmten Prozentsatz des net asset value (NAV) zurückfordern. Eine gute Möglichkeit zur Reduzierung frühzeitiger Rücknahmen sind Lock-In Perioden, in denen eine Rückgabe in den ersten Jahren der Investitionszeit mit Gebühren belegt wird. Desweiteren besteht die gesetzliche Möglichkeit, Rückgaben unter bestimmten Bedingungen auszusetzen. Bisher sehen die meisten Rechtsrahmen eine Aussetzung allerdings nur unter extremen Bedingungen vor. Eine weitere Variante ist die Umwandlung eines Hedgefonds in einen geschlossenen Fonds. Zuletzt bestehen noch die Möglichkeiten, Investoren einen abgestuften Rückgabeplan mit Optionscharakter zur Verfügung zu stellen und bei Aussetzung von Investorenrechten, diese über eine Gebührenrückerstattung zu entschädigen.