05.10.2011 | Research

Preisbildung auf dem Markt für Öl-Futures

Ein Paper der Europäischen Zentralbank, das im August veröffentlicht wurde, untersucht vor dem Hintergrund volatiler Ölpreise die Preisbildung auf dem Markt für Öl-Futures. Die Autorin Isabel Vansteenkiste kommt zu dem Ergebnis, dass die Ölpreisentwickung bis einschließlich 2004 auf Angebots- und Nachfrageveränderungen zurückzuführen war. In der Zeit danach scheinen jedoch spekulative Aspekte zunehmend die Preisbildung zu beeinflussen.

Um dies zu zeigen, wird zunächst in einem ersten Schritt der Futures-Markt mit zwei Akteuren modelliert. Auf der einen Seite gibt es gewerbliche Händler, die auf dem physischen Öl-Markt aktiv sind und über vollständige Information verfügen. Ihnen gegenüber stehen spekulative Händler, die nicht auf dem physischen Öl-Markt aktiv sind. Sie sind nur unvollständig über tatsächliche Angebot- und Nachfragemengen informiert und ihre Preisforderungen verzerren daher den Futures-Markt. Unter diesen Voraussetzungen zeigt die Autorin, dass es abhängig vom Anteil der aktiven, spekulativen Händler zu mehreren Gleichgewichten auf dem Futures-Markt kommen kann. Wenn große Unsicherheit über die künftige Öl-Nachfrage herrscht und die Volatilität insgesamt hoch ist, weicht der Futures-Preis nur wenig von den Fundamentaldaten ab und Futures werden nur von gewerblichen Tradern gehandelt. Wird der Spotmarkt dagegen von einem unerwarteten Schock getroffen, drängen auch Spekulanten auf den Markt. In diesem Fall hat der Future-Preis die größte Volatilität und kann sogar unter den markträumenden Preis fallen, wenn spekulative Trader durchschnittlich von sinkenden Spotpreisen ausgehen.


Quelle: Vansteenkiste (2011)

Im zweiten Schritt testet die Autoren die abgeleiteten Mechanismen mit einem Markov-Switching Modell für den Zeitraum von Januar 1992 bis April 2011. Demnach lassen sich bis 2004 die Preisbewegungen des Future-Markts am besten anhand der Fundamentaldaten erklären. Ab 2004 dagegen kommt es häufiger zu Perioden in denen die Preisbildung von spekulativen Kräften getrieben wird.

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