Nachhaltigkeitsratings entscheidend für Anlagen in Staatsanleihen
Eine Analyse des ICMA Centre in Großbritannien, der UN Principles of Responsible Investment (PRI) und der Universität Hohenheim hat Ende des vergangenen Jahres die Wechselwirkungen zwischen einer nachhaltig strukturierten staatlichen Infrastruktur und den vom Kapitalmarkt verlangten Zinsen für Staatsanleihen untersucht. Die Autoren Andreas Hoepner und Agnes Neher kommen zu dem Ergebnis, dass der Zusammenhang sehr viel stärker ist als etwa zu klassischen Kreditratings. Zur Beurteilung der "Sustainable Development Culture" eines Staates greifen die Autoren auf die Länderratings von Oekom Research zurück. Die Länderratings setzen sich zu gleichen Teilen aus sozialen und ökologischen Bewertungen zusammen und beziehen auf beiden Seiten auch politische und wirtschaftliche Faktoren mit ein.
Aufbau des Oekom Ratings
Quelle: Hoepner, Neher
Die Auswirkung der beobachtbaren Marktzinsen auf Staatsanleihen weist auf einen starken Erklärungsgehalt der Nachhaltigkeitsratings hin. Die Zahlungsfähigkeit eines Landes kann unter stärkerer Berücksichtigung von nachhaltigen Aspekten besser eingeschätzt werden, als ein Maß, das hauptsächlich wirtschaftliche und fiskalische Größen in den Mittelpunkt stellt, schlussfolgern die Autoren. Darüber hinaus stellen sie fest, dass in erster Linie die langfristigen Zinsen durch das Länderrating von Oekom erklärt werden können. Für zehnjährige Anleihen ist der Erklärungsgehalt am höchsten, für zwei- und fünfjährige Titel schwächer ausgeprägt. Ebenfalls ist das Nachhaltigkeitsrating bei entwickelten Länder ein besserer Indikator für die Zahlungsfähigkeit als bei Schwellenländern.
Beispiel: Bewertung Irlands
Quelle: Hoepner, Neher
Beide Teilergebnisse unterstreichen die langfristige Bedeutung der institutionellen Rahmenbedingungen für die langfristige Zahlungsfähigkeit eines Staats, ein Aspekt der von den traditionellen Ratingnoten der großen Agenturen sehr viel schlechter abgebildet wird.