28.05.2019 | Research

Momentum-Effekt bei Aktien mit hohem Turnover

Werden Aktien nach der Vormonatsrendite und dem Turnover sortiert, dann weisen Titel mit hohem Turnover kurzfristige Momentum-Eigenschaften auf, während bei Titeln mit geringem Turnover ein signifikanter Reversal-Effekt zu beobachten ist. Mamdouh Medhat von der University of London und Maik Schmeling von der Goethe Universität Frankfurt zeigen, dass eine Long/Short-Momentum-Strategie im Dezil der Aktien mit dem geringsten Turnover eine mittlere Überschussrendite von -1,4 % monatlich erzielt. Aktien mit geringem Turnover weisen folglich einen starken kurzfristigen Reversal-Effekt auf. Umgekehrt ist es bei Aktien mit hohem Turnover: Hier erzielt dieselbe Strategie, die jeweils die Aktien mit der im Vormonat höchsten/niedrigsten Rendite kauft/verkauft eine positive Performance von 1,3 % monatlich. Dieser Effekt kann nicht durch klassische Risikofaktoren einschließlich des Momentum-Faktors erklärt werden und besteht auch nach Berücksichtigung von Transaktionskosten. Das Datensample umfasst US-Aktien im Zeitraum 1962 bis 2016, wobei Robustheitstest den gleichen Effekt auch für 22 andere entwickelte Märkte bestätigen.


Quelle: Medhat, Schmeling, 2018

Zur Erklärung dieses Effektes konstruieren die Autoren ein Modell, welches von informierten und uniformierten Investoren ausgeht. Erstere haben Zugang zu öffentlichen und privaten Informationen, während letztere auf öffentliche Informationen beschränkt sind. Bei neuen privaten Informationen wird das Handelsvolumen steigen, da die Investorengruppen mit ihrer jeweiligen Einschätzung nicht übereinstimmen. Dies hat auch zur Folge, dass die neuen Informationen nicht direkt, sondern erst nach und nach eskomptiert werden, wodurch es zu einem kurzfristigen Momentum-Effekt kommt. Preisveränderungen bei Aktien mit geringem Turnover basieren entsprechend nicht auf neuen Informationen, sondern auf Noise Trading, die entsprechend zeitnah wieder korrigiert werden. Bestätigt wird dieses Modell durch die Beobachtung, dass die Preisveränderungen von Aktien mit hohem Turnover ein besserer Indikator zur Prognose künftiger Wachstumsraten sind als bei Titeln mit geringem Handel.


Quelle: Medhat, Schmeling, 2018


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