06.10.2014 | Research

Irrationales Verhalten von Finanzakteuren

Während in der Vergangenheit die Rationalität aller Akteure eine der Grundannahmen der Wirtschaftswissenschaften darstellte, ist die Annahme einer verhaltensgesteuerten Irrationalität heute weithin anerkannt. David Hirshleifer von der University of California geht in einem aktuellen Forschungspapier auf vier wesentliche Teilaspekte der Behavioral Finance ein.
Erstens führe Selbstüberschätzung der Marktteilnehmer, etwa der Glaube, den Wert einer Aktie besser einschätzen zu können als der Gesamtmarkt, häufig zu nicht rational begründeten Entscheidungen, beispielsweise aggressivem Trading trotz daraus erwachsender Verluste. Auf Seiten der Manager kann übermäßiger Optimismus bzw. Selbstüberschätzung allerdings auch positive Aspekte haben, wenn dadurch Manager bereit sind, riskante, aber innovative Projekte durchzuführen. Auf der anderen Seite steht das Risiko niedrigerer Renditen, beispielsweise bei Firmenübernahmen, wenn deren Vorteile überschätzt wurden.

Der zweite wesentliche Faktor ist die begrenzte Aufnahmefähigkeit der Marktakteure. So werden entweder relevante Fakten ignoriert oder aber auf wenig relevante Informationen zu stark reagiert. Oftmals werden auch Teilaspekte des Entscheidungsspektrums ignoriert, dazu gehören beispielsweise strategische Motive für die Handlungen anderer Akteure. Weiterhin zeigt sich, dass Investoren irrelevante Referenzpunkte verwenden, auf die die Aktienpreise sehr hart reagieren, selbst wenn die erwarteten Werte nur knapp verfehlt werden. Gleichfalls zu dieser Kategorie zählen übergroße Verlustaversion und die Verwendung von Heuristiken anstelle der sorgfältigen Analyse verfügbarer Daten.

Gefühle stellen den dritten Pfeiler der Analyse Hirshleifers dar. Positive Stimmung oder Ärger steigern den Optimismus und damit die Risikotoleranz, während ängstliche Menschen pessimistischer und risikoscheuer sind. Investoren bevorzugen Bekanntes, also lokale Unternehmen und solche, bei denen sie selbst Kunde oder sogar Mitarbeiter sind.

Zuletzt stellt auch das Verhalten der Firmen eine relevante Größe dar. Unternehmen können entweder offensichtliche Fehlbepreisungen ausnutzen, etwa eine Kapitalerhöhung in einer Phase der Überbewertung durchführen, um von dieser zu profitieren, oder aber Fehlbepreisungen herbeiführen. Grund hierfür kann die Abwehr von Übernahmen sein oder aber die Reduzierung der Kosten bei Aktienrückkäufen.

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