14.07.2008 | 

IOSCO Bericht zur Subprime-Krise und zur Rolle der Ratingagenturen

Die IOSCO (Internationale Vereinigung der Wertpapieraufsichtbehörden) hat im Mai 2008 zwei Task Force Berichte veröffentlicht. Der erste widmet sich den Hintergründen und Ursachen der Subprime-Krise, der zweite der Rolle der Ratingagenturen im Markt für strukturierte Finanzierungen.

Der Bericht zur Subprime-Krise analysiert detailliert die Ereignisse und ihre Marktwirkung im Zuge der Krise und zeigt Handlungsbedarf für die Aufsichtsbehörden auf. Es folgen Erörterungen zu Transparenzanforderungen an Emittenten und die Due Dilligence Fähigkeiten von Anlegern in strukturierten Finanzierungen, sowie über Risikomanagement, Aufsicht durch die Kontrollbehörden und korrekte Bewertung von strukturierten Finanzierungen. Der Bericht schließt mit den wesentlichen Ergebnissen des Reports über die Rolle der Ratingagenturen im Markt für strukturierte Finanzierungen und ihrer Rolle im Zuge der Subprime-Krise.

Die Task Force kommt zu mehreren Lösungs- und Verbesserungsvorschlägen. Aufgrund bestehender Intransparenzen müssen die Standards beim Verbriefungsprozess insbesondere von Private Placement Transaktionen verbessert werden. Dies betrifft die Offenlegungspflichten und ein effektives Sekundärmarktreporting. Das Risikomanagement von Emittenten und Anlegern muss effektiver sein. Oft würde sich zu sehr auf das Rating verlassen, anstatt eine adäquate Risikobewertung vorzunehmen. Auch das Liquiditätsmanagement soll verbessert werden. Viele beobachtete Fehlbewertungen in illiquiden Märkten und fehlende Planung von Stressszenarien in beteiligten Unternehmen sind laut des IOSCO mit mangelnden personellen und technischen Ressourcen zu begründen. Daher sollten betroffene Unternehmen bei der Bewertung der Finanztitel unterstützt werden, sowohl durch die zuständige Aufsichtsbehörde, als auch durch Beratung von qualifizierten Marktteilnehmern.

Da strukturierte Finanzierungen komplexe Strukturen unter Verwendung mehrerer Derivate annehmen können, ist eine Bewertung dieser Produkte durch Ratingagenturen komplexer als eine Bewertung von klassischen Anleihen. Der Bericht betont zudem, dass Kreditratings nichts über andere Risiken wie Volatilität, Marktrisiko und Liquiditätsrisiko aussagen. Zudem würden stukturierte Produkte überwiegend von institutionellen Anlegern gehandelt und unterlägen damit geringerer Regulierung. Nach Argumentation der IOSCO haben viele Anleger Kreditratings als ausschließlichen Risikoindikator verwendet und damit andere Risiken und die Komplexität der Produkte vernachlässigt. Aufgrund der relativ jungen Branche mangele es außerdem an historischen Daten und Bewertungsmodellen. Diese Umstände hätten zu vielen negativen Marktreaktionen während der Krise geführt. Daher schlägt die Task Force Änderungen des Code of Conduct für Ratingagenturen vor. Diese zielen auf Förderung von Transparenz und Unabhängigkeit der Ratings ab.

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