Investorensentiment bestimmt Fund Flows
Eine kürzlich veröffentlichte wissenschaftliche Arbeit der Universitäten New York, Toronto, Maryland und British Columbia untersucht die saisonalen Kapitalzu- und -abflüsse bei Publikumsfonds. In den USA wird der Markt für Publikumsfonds weitgehend von Privatinvestoren bestimmt. Laut der US-Branchenorganisation Investment Company Institute waren 2008 44 % aller Haushalte in den USA in Publikumsfonds investiert und hielten 86 % der Assets. Dementsprechend sei die Stimmung dieser Investoren entscheidend für die Fund Flows.
Die vier Autoren untersuchen die Zu- und Abflüsse bei Aktien-, Geldmarkt- und Mischfonds anhand einer Vielzahl von Kriterien, beispielsweise Werbung, Steuerersparnis, Jahresende und Geldbedarf. Der interessanteste Effekt dürfte allerdings der aus der Medizin bekannte Zustand "Seasonal Affective Disorder" (SAD) sein, der eine Abhängigkeit der Gemütsverfassung des Menschen von den Jahreszeiten beschreibt. Für diesen Effekt finden die Forscher einen signifikanten Zusammenhang.
Quelle: Kamstra, Kramer, Levi, Wermers (2011)
SAD sorge für eine steigende Risikoaversion in Herbst- und Wintermonaten. Daher würden Gelder aus riskanten Aktienfonds abgezogen und in Geldmarktfonds transferiert. Im Frühling verhalten sich die Anleger genau umgekehrt. Als Kontrolle dient die Anwendung der Tests auf Kanada und Australien. In Kanada sind die Jahreszeiten und die medizinischen SAD-Befunde ausgeprägter. Bei den Fund Flows zeigt sich das gleiche Bild wie in den USA, allerdings ebenfalls stärker ausgeprägt. In Australien sind die Jahreszeiten aufgrund der Lage auf der südlichen Hemisphäre um sechs Monate verschoben. Hier zeigt die Kontrolle ebenfalls eine Verschiebung der beschriebenen Effekte um sechs Monate.
Quelle: Kamstra, Kramer, Levi, Wermers (2011)
Die Ergebnisse liefern wichtige Erkenntnissen für institutionelle Investoren und Asset Manager. Zum einen können die saisonalen Flows taktisch genutzt werden. Zum anderen sollte Werbung an die saisonalen Flows angepasst werden, da gezielte Werbung eher geeignet sei, Abflüsse zu verhindern, als neue Flows zu generieren.