19.10.2011 | Meinung

HWWI bezweifelt Theorie effizienter Märkte

Prof. Dr. Thomas Straubhaar, Direktor des HWWI hat in einem am 6. Oktober erschienenen Kommentar die jahrzehntelang dominierende Überzeugung, dass auf Finanzmärkten Effizienz die Regel und Marktversagen die Ausnahme seien, als einen "großen Irrtum" bezeichnet.
Börsenkurse spiegelten demnach nicht jederzeit alle verfügbaren Informationen rational und richtig wider. Marktmacht und Marktversagen seien weitaus häufiger verbreitet als gemeinhin vermutet. Das Platzen der New Economy vor zehn Jahren, gefolgt von der Immobilien-, Finanzmarkt- und nun Staatsschuldenkrise hätten den "Effizienzmythos" endgültig widerlegt. Erkenntnisse der Neuro-Ökonomie belegten, dass Menschen nicht immer rational handeln und eher von Herdenverhalten, emotionaler Panik und Eigendynamik getrieben seien.

Demnach wurde mit der Abstufung der Kreditwürdigkeit der Vereinigten Staaten jüngst die Effizienzthese wieder eindrucksvoll widerlegt, schreibt Straubhaar. Diese Abstufung durch die Ratingagentur S&P hätte keineswegs über Nacht, völlig neue und überraschende Informationen zu Tage getragen. Dennoch reagierten die Börsenkurse wie erwartet: Optimismus verschwindet, Pessimismus gedeiht, die Politik ist alarmiert und die Medien aufgescheucht.
Nach Auffassung von Prof. Straubhaar leben Kapitalismus und Marktwirtschaft vom individuellen Streben nach Glück, allerdings fehlt allzu oft die "unsichtbare Hand" die das egoistische Handeln zum altruistischem Wohle aller lenkt. Entsprechend sollten Politik und Gesellschaft Gesetze und Regeln derart setzen, dass mikro- und makroökonomisches Erfolgsstreben möglichst deckungsgleich werden.

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