ESG-Rohdaten zur Erklärung von Unternehmensrisiken
Zhi Chen, Zachary Feinstein und Ionut Florescu vom Stevens Institute of Technology untersuchen in einem Research Paper, ob sich aus hochdimensionalen ESG-Rohdaten jene Variablen identifizieren lassen, die besonders eng mit dem Unternehmensrisiko zusammenhängen, gemessen an der logarithmierten Aktienvolatilität. Bisherige Forschungsergebnisse zeigen, dass ESG-Scores nur geringe Zusammenhänge mit Aktienrenditen aufweisen, während mehrere Studien stärkere Beziehungen zwischen ESG-Variablen und Risikokennzahlen wie Volatilität oder Kreditrisiko finden. Frühere Arbeiten erzielten dabei höhere Bestimmtheitsmaße, wenn granularere ESG-Daten verwendet wurden. Daran knüpfen die Autoren an und entwickeln einen Hierarchical Variable Selection-Algorithmus (HVS), der speziell für ESG-Datensätze mit vielen Variablen und wenigen Beobachtungen konzipiert ist.
Der Algorithmus identifiziert in mehreren Schritten jene ESG-Rohvariablen, die besonders eng mit der logarithmierten Volatilität zusammenhängen. Dabei werden Variablen zunächst innerhalb einzelner ESG-Kategorien ausgewählt, anschließend weiter reduziert und abschließend mittels Ridge-Regression robuster gemacht. Am Beispiel des Energiesektors zeigen die Autoren, dass Modelle mit ausgewählten ESG-Rohvariablen eine deutlich höhere Erklärungskraft erzielen als Modelle mit aggregierten ESG-Scores.
Quelle: Chen, Feinstein, Florescu, 2025
Anschließend wenden die Autoren HVS auf neun Sektoren der US-Wirtschaft sowie auf Large- und Small-Cap-Unternehmen an. Dabei erzielt HVS in allen Branchen bessere Ergebnisse als Modelle mit aggregierten ESG-Scores. Zudem unterscheiden sich die relevanten ESG-Risikofaktoren deutlich zwischen Branchen und Unternehmensgrößen. Large Caps weisen mit 30% eine höhere Erklärungskraft der Modelle auf als Small Caps mit 26%, und in allen betrachteten Sektoren hängen ESG-Risikofaktoren bei Large Caps stärker mit der Volatilität zusammen als bei Small Caps. Gleichzeitig variieren die relevanten ESG-Kategorien innerhalb der Sektoren erheblich: Im Energiesektor dominieren bei Large Caps Umweltvariablen wie „Resource Reduction“ oder „Emission Reduction“, während bei Small Caps soziale Faktoren stärker gewichtet werden. Darüber hinaus verbessern die durch HVS identifizierten ESG-Variablen die Erklärungskraft klassischer Fama-French-Modelle für die Volatilität deutlich, liefern jedoch nur geringe zusätzliche Informationen zur Erklärung von Aktienrenditen.
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