01.12.2025 | Research

ESG-Label versus SDG-Performance bei Publikumsfonds

Fonds mit positiver SDG-Ausrichtung können nur dann Zuflüsse einwerben, wenn sie auch explizit eine Nachhaltigkeitsstrategie verfolgen, während Fonds ohne Nachhaltigkeitsmandat bei höherer SDG-Ausrichtung tendenziell Mittelabflüsse verzeichnen. Im Fokus des Research Papers von Emanuele Chini und Denitsa Stefanova von der University of Luxembourg sowie Roman Kräussl von der Hoover Institution at Stanford University steht die tatsächliche Nachhaltigkeitsperformance der Fonds, die nicht anhand von Ratings, sondern anhand produktbasierter SDG-Alignment-Scores der gehaltenen Portfoliounternehmen gemessen wird. Dabei unterscheiden die Autoren zwischen positiver, negativer und Netto-Ausrichtung, um zu erkennen, ob Investoren eher auf fördernde SDG-Beiträge oder auf die Vermeidung negativer SDG-Wirkungen reagieren. Hierzu kombinieren die Autoren produktbasierte SDG-Daten von Util mit US-Mutual-Fund-Daten aus CRSP und Morningstar für den Zeitraum 2015 bis 2021.

Zunächst wird der Zusammenhang von Asset Flows und SDG-Ausrichtung der Portfolios betrachtet. Es zeigt sich, dass ein höheres Netto-SDG-Alignment im Durchschnitt mit niedrigeren Fondszuflüssen verbunden ist. Für Fonds mit einer ausdrücklichen Nachhaltigkeitsstrategie im Prospekt kehrt sich dieses Muster um: Eine stärkere Ausrichtung des Portfolios an den 17 SDGs ist mit höheren späteren Investorenzuflüssen verbunden. Dieses Ergebnis für die Nachhaltigkeitsfonds ist vornehmlich dadurch getrieben, dass Fonds, die positiv auf die SDGs ausgerichtet sind, zwar keine Zuflüsse anziehen, Fonds mit überwiegend negativer Ausrichtung aber Abflüsse verzeichnen. Anleger bevorzugen somit primär Fonds, die negative SDG-Einflüsse vermeiden (Exklusionseffekt), nicht solche, die besonders positive Beiträge leisten.


Quelle: Chini, Kräussl, Stefanova, 2025

Weiterhin wird der Einfluss des Nachhaltigkeitsprofils auf die Fondsperformance analysiert. Eine höhere SDG-Ausrichtung verbessert im Mittel die Rendite der Fonds, unabhängig davon, ob eine ausdrückliche Nachhaltigkeitsstrategie verfolgt wird. Das Vorhandensein einer solchen expliziten ESG-Strategie senkt hingegen die Rendite. Anleger verhalten sich nicht renditeorientiert: Sie investieren nicht in Fonds, die tatsächlich besser SDG-aligned sind, sondern vor allem in solche mit Mandat. Die Autoren schließen daraus, dass Anleger die fundamentale Performancewirkung von SDG-Alignment nicht ausnutzen und ihre Investitionsentscheidungen hauptsächlich am Marketing-Label statt an der tatsächlichen Portfolioqualität ausrichten.


Quelle: Chini, Kräussl, Stefanova, 2025


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