Chancen am Zweitmarkt für US-Lebensversicherungen
In den USA existiert ein aktiver Sekundärmarkt für Lebensversicherungen. Nachdem auf dem deutschen Markt einige Produkte mit mäßigem Erfolg an Privatanleger vertrieben wurden, griffen Medien das Thema als "Geschäft mit dem Tod" auf. Unverantwortlich, wie Investoren auf das frühzeitige Ableben von Menschen "wetten" können, so der Tenor. Eine wissenschaftliche Arbeit der London Business School untersucht erstmalig den Zweitmarkt für Lebensversicherungen in den USA ausführlich und kommt zu dem Ergebnis, dass die Versicherten und die Investoren viel gewinnen.
In den USA laufen Lebensversicherungsverträge im Unterschied zu Deutschland meist ein Leben lang und nicht als Kapitalanlage. Eine Zahlung erfolgt damit nur bei Ableben des Versicherungsnehmers. Eine Auszahlung vor dem Ableben ist nur durch die Rückgabe des Vertrags an die Versicherungsgesellschaft oder durch Verkauf an Dritte möglich. Im letzteren Fall wird die Versicherungspolice weitergeführt und die Prämien durch den Käufer geleistet. Versicherungsnehmer und Käufer der Versicherung können beide stark von dieser Vereinbarung profitieren, folgern die Autoren Afonso Januário und Narayan Naik.
Quelle: Januário, Naik (2013)
Ihnen standen Daten über 9.002 Policen von 7.164 Personen zur Verfügung, mit einer Versicherungssumme im Fall des Ablebens (Net Death Benefit) in Höhe von 24,14 Mrd. US-Dollar. Die Versicherungsnehmer erhielten im Sekundärmarkt im Durchschnitt die vierfache Summe dessen, was sie bei einer Rückgabe an die Versicherung erhalten hätten. Sie profitieren somit sehr vom Sekundärmarkt, zumal sie nun vor ihrem Ableben über eine gewisse Summe in fortgeschrittenem Alter verfügen können. Investoren erhalten bei Kauf der Versicherung Zugang zum Langlebigkeitsrisiko und der damit verbundenen Risikoprämie. Die Einschätzung der Lebenserwartung und das adäquate Pricing sind ihre Risiken. Natürlich profitieren sie von einem vorzeitigen Ableben der Versicherungsnehmer, allerdings gehen sie auch das Risiko einer höheren Lebensdauer ein. Sie übernehmen aus der Sicht des Versicherungsnehmers schlicht die Funktion der Versicherung.
Von Januar 2001 bis Dezember 2011 konnten Investoren eine Internal Rate of Return (IRR) von 12,5% p.a. vor Steuern erwarten, schwankend zwischen 11,0 % und 18,9 % in den Kalenderjahren. Entscheidend ist dabei die korrekte Einschätzung der Lebenserwartung, welche von spezialisierten Unternehmen vorgenommen wird. Bei einer Überschreitung der Lebenserwartung von durchschnittlich drei Jahren, sinkt die Rendite auf einen IRR von 3,2 % ab. Da die Lebensversicherungen jedoch üblicherweise im höheren Lebensalter aufgekauft werden, sind große Fehleinschätzungen leichter zu vermeiden.
Quelle: Januário, Naik (2013
Für Investoren ist wichtig zu verstehen, dass der Zweitmarkt für Lebensversicherungen einen hohen Grad an professionellem Management erfordert. Die Service Provider, wie Versicherungsmakler und Medical Underwriter, müssen sorgfältig ausgewählt, ihre Einschätzungen überprüft werden. Die Portfoliokonstruktion erfordert Diversifikation und die Berücksichtigung einer demografischen Komponente. Einige spezialisierte Fonds in diesem Markt konnten über die letzten Jahre einen interessanten Track Record aufbauen, während andere scheiterten. Die geringe Liquidität des Portfolios ist ebenfalls ein Grund, warum dieser Markt nur für institutionelle Investoren geeignet ist.