BIZ befürchtet steigende Ausfallraten in Private Equity
Eine Arbeitsgruppe der Bank für internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) hat im Juli 2008 eine Untersuchung zu den Auswirkungen der Kreditkrise auf den Private-Equity- und Leveraged-Finance-Markt veröffentlicht. Darin äußert das Komitee die Befürchtung steigender Ausfallraten von durch Private Equity finanzierten Unternehmen.
Die Professionalisierung der Anbieter strukturierter Finanzierungen (Collateralized Loan Obligation Vehicles, CLOVs) und die Tranchierung strukturierter Produkte, die jedem institutionellen Anleger passende Rendite/Risiko-Relationen liefern sollte (vgl. Grafik), führten in der letzten Dekade zu einem starken Wachstum im Leveraged Finance Markt. Das Marktumfeld für fremdfinanzierte Übernahmen war mit niedrigen Ausfallraten, guten makroökonomischen Bedingungen, hohen Cash Flows der Unternehmen und einem niedrigen Zinsniveau attraktiv. Das führte zu einer Ausweitung von Private Equity Aktivitäten über Leveraged-Buy-Outs (LBOs), die über Leveraged Loans und High Yield Bonds finanziert wurden. Gleichzeitig fanden Banken und andere Kapitalgeber über die CLOVs ausreichend Kapazität für Refinanzierungen. Im Zuge der Kreditkrise kam es seit Mitte 2007 zur Erhöhung von Kreditrisikoprämien und Liquiditätsprämien.
Der Grad der Risikoaversion bei Banken stieg, zumal ihnen aufgrund des verschlechterten Marktumfelds für strukturierte Finanzierungen Refinanzierungsmöglichkeiten fehlten. Für Unternehmen mit einem hohen Verschuldungsgrad und ohne Investment Grade Rating, sowie für die Private-Equity-Industrie insgesamt, ergibt sich daraus eine allgemeine Liquiditätsknappheit. Gleichzeitig zeichnet sich im Moment ein konjunktureller Abschwung in den westlichen Industrienationen ab. Dadurch sinken die Cash Flows in den Unternehmen, während Leveraged Loans und High Yield Bonds mit einem Volumen von 500 Mrd. U.S.-Dollar in den nächsten zwei Jahren eine Anschlussfinanzierung benötigen. Aufgrund dieser Faktoren weist das CGFS auf die Entwicklung verschiedener Risiken und ihrer Bedeutung für die Stabilität des Finanzsystems hin.
Kurzfristig sehen sich die Märkte mit Liquiditätsknappheit und steigenden Kreditrisikoprämien konfrontiert. Daraus kann im Zusammenspiel mit makroökonomischen Faktoren mittelfristig eine höhere Ausfallrate von Unternehmen mit hohem Verschuldungsgrad resultieren. Dabei ist insbesondere zu berücksichtigen, dass sich die Leveraged Loan Exposures auf wenige Banken konzentrieren. Die Ausweitung von strukturierten Finanzierungen und ihrer Sekundärmarktfähigkeit hat die Konditionen des Kreditmarktes stärker mit der Bilanzsituation der Banken verbunden. Langfristig hängen daher die Konditionen für Leveraged Finance und zur Finanzierung großer LBO-Transaktionen von den Modifizierungen und der Entwicklung des Markets für strukturierte Finanzierungen ab. Gleichzeitig können aufgrund der Vielfalt der Investoren in strukturierten Finanzierungen die Dauer und die Kosten von Restrukturierungsprozessen steigen. Das CGFS empfiehlt daher weitergehende Transparenzvorschriften und ein strikteres Risikomanagement für Banken und Beteiligungsgesellschaften. So sollen Bilanzdaten schneller publiziert und Stresstests in das Risikomanagement implementiert werden.