Bedeutung von Ratingänderungen steigt in Krisenphasen
Spätestens seit der Finanzkrise ist der Informationsgehalt von Kreditratings immer wieder in Frage gestellt worden. Auf der einen Seite wird den Agenturen vorgeworfen, dass ihre Ratingnoten von den am Markt verfügbaren Informationen hinterherlaufen, andererseits sind viele Investoren durch regulatorische Anforderungen an ein offizielles Rating gebunden. Vor diesem Hintergrund untersucht Magdalena Grothe von der Europäischen Zentralbank anhand eines Datensamples von 16.500 Unternehmensanleihen über einen Zeitraum von 12 Jahren die Auswirkungen von Ratingveränderungen in unterschiedlichen Marktphasen.
Quelle: Grothe (2013)
Sowohl für Anleihen der Finanzbranche als auch für Industriewerte zeigt sich bei Abwertungen eine signifikante Ausweitung des Credit Spreads. Dagegen ist der Koeffizient bei Upgrades insignifikant, sodass diese offensichtlich keine Effekte auf die Credit Spreads haben. Dies stimmt überein mit bisherigen Forschungsergebnissen, die besagen, dass schlechte Nachrichten vom Markt stärker eingepreist werden als positive. Im Anschluss wird untersucht, ob sich Unterschiede bei verschiedenen Marktphasen ergeben. Die Schätzungen zeigen, dass in Krisenphasen starke Reaktionen auf die Ratingveränderung folgen, in ruhigen Zeiten dagegen keine Effekte nachweisbar sind.
Quelle: Grothe (2013)
Abschließend untersucht die Autorin die Auswirkungen länderspezifischer Effekte. Grundsätzlich beeinflusst die Berücksichtigung der Ländereffekte die bisherigen Ergebnisse der Analyse bzgl. Der Auswirkungen von Ratingänderungen nicht. Dennoch sind tendenziell die Spreads in Frankreich, Deutschland und den Niederlanden in Krisenphasen enger, während sie sich für Griechenland, Irland und Großbritannien ausweiten. In ruhigen Marktphasen zeigen sich lediglich engere Spreads für Luxemburg, Deutschland und Großbritannien.