Trend zu passiven Investments treibt Aktienkurse
Asset Flows von aktiven in passive Investments können zu steigenden Aktienkursen führen, auch wenn die Zuflüsse ausschließlich aus diesen Umschichtungen herrühren, zeigt ein Research Paper von Hao Jiang von der Michigan State University und Dimitri Vayanos von der London School of Economics. Die Autoren zeigen anhand eines Modells, dass Mittelzuflüsse in passive Strategien überproportional die Aktienkurse der größten Unternehmen steigern, vor allem derjenigen, die vom Markt überbewertet werden.
Dieser Effekt ist stark genug, um den Gesamtmarkt selbst dann steigen zu lassen, wenn die Kapitalströme ausschließlich darauf zurückzuführen sind, dass Anleger von aktiven zu passiven Anlagen wechseln. Zwar könnten Fehlbepreisungen weiterhin durch Leerverkäufer korrigiert werden, jedoch exponiert die größere Nachfrage der Index-Investoren nach diesen Titeln die potenziellen Leerverkäufer gegenüber den idiosynkratischen Risiken dieser Titel. Damit muss der Preis der betroffenen Aktien steigen, um die Short Seller für das Risiko zu kompensieren. Hinzu kommt, dass durch den Anstieg des Aktienkurses die absoluten idiosynkratischen Kursbewegungen der Aktie zunehmen. Dies führt zu einer Verstärkungsschleife: Die Short-Position aktiver Anleger wird noch riskanter, wodurch der Aktienkurs noch weiter steigt und die idiosynkratischen Kursbewegungen der Aktie noch größer werden.

Quelle: Jiang, Vayanos, 2024
Für die Konstituenten des S&P 500 im Zeitraum 1996 bis 2020 zeigen die Autoren, dass in den Quartalen mit hohen Zuflüssen in passive Produkte die am höchsten bewerteten Aktien eine Outperformance erzielen. Eine Steigerung der passiven Flows um eine Standardabweichung geht mit einem Anstieg der Überschussrenditen um 0,55 % einher und ist auch statistisch signifikant. Die Schätzung deutet darauf hin, dass die Zunahme passiver Investments in den vergangenen 25 Jahren dazu geführt hat, dass Unternehmen, die im obersten Dezil des S&P500-Index lagen, um 30 % stärker gestiegen sind als der Index. Gleichzeitig mit der höheren Rendite nimmt auch das Gewicht der zehn größten Unternehmen im Index zu. Die idiosynkratische Volatilität der Titel steigt dreimal so stark wie bei den kleineren Unternehmen.
Absolut Research unterstützt institutionelle Investoren bei der Selektion von Asset Managern mit der monatlich erscheinenden Publikationsreihe Absolut|ranking. Insgesamt umfasst Absolut|ranking mehr als 15.000 institutionelle Publikumsfonds und ETFs, aufgeteilt in 36 Asset-Klassen, Marktsegmente sowie mehr als 200 Universen.