Strukturelle Risiken der Marktdominanz passiver Investmentstrategien
Chris Brightman und Campbell R. Harvey von Research Affiliates haben untersucht, welche Risiken und Marktverzerrungen durch die zunehmende Dominanz passiver, kapitalisierungsgewichteter Investmentstrategien entstehen, insbesondere in Bezug auf Preisbildung, Diversifikation und systemische Stabilität. Es zeigt sich, dass sich Aktien von Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen und Geschäftsmodellen vermehrt im Gleichlauf bewegen, wobei Aktien mit hohem Anteil passiver Eigner steigende Betas aufweisen, wohingegen das Beta von Aktien von aktiven Eignern sinken.

Quellen: Research Affiliates, CRSP, Compustat
ETFs sorgen für den gleichzeitigen Kauf oder Verkauf über eine Vielzahl von Aktien während des Creation- bzw. Redemption-Prozesses. Damit ergibt sich die Gefahr systemischer Fragilität; bei Abflüssen kann es zu breiten Marktverwerfungen kommen, weil viele Fonds dieselben Aktien gleichzeitig verkaufen müssen. Dies gilt insbesondere in Phasen geringer Marktliquidität.
Weiterhin wird die Preisfindung am Markt gestört, da Aktien ohne Berücksichtigung der Fundamentaldaten gehandelt werden. Durch die Kapitalisierungsgewichtung der relevanten, von ETFs getrackten Indizes verstärken sich Momentum-Effekte. In der Theorie können aktive Manager diese gestörte Preisfindung durch entsprechende Gegengeschäfte nutzen. Jedoch besteht die Gefahr, dass die passive Dominanz eine Feedback-Schleife auslöst, bei der passive Zuflüsse den Preistrend verstetigen.
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