23.07.2020 | Märkte

IWF stellt Markterholung in Frage

Die Situation an den globalen Finanzmärkten hat sich nach dem Tief der vorherigen Monate inzwischen aufgrund von fallenden Zinsen und einem Aufschwung in der Bewertung von risikoreicheren Anlagemöglichkeiten erholt, schreibt der IWF im Gobal Financial Stability Update von Juni 2020. Insbesondere in Ländern mit systemrelevantem Finanzsektor zeigten sich die Aktienmärkte seit März einen Rebound Effekt auf durchschnittlich 85% des Mitte-Januar Niveaus. Auch die Volatilität an den Märkten hat abgenommen, befindet sich aber noch immer über dem Vorkrisenwert.


Quelle: Bloomberg, IMF

Für diese Entwicklung war besonders das schnelle und im Umfang beispiellose Handeln der Zentralbanken von großer Relevanz. Ein ähnliches Resultat wie in den USA, wo die Fed ankündigte die Wirtschaft mit 2,3 Billionen USD zu unterstützen, konnte durch das Eingreifen der Zentralbanken auch an anderen Märkten beobachtet werden. Die Group-of-Ten-Staaten haben insgesamt 6 Billionen USD bereitgestellt. Aktien-Futures schossen in Folge der Ankündigungen der Zentralbanken in die Höhe. Auch das Interesse der Investoren für Emerging und Frontier Markets ist wieder gestiegen, was dafür gesorgt hat, dass sich die Volumina nach den vorhergegangenen Abflüssen/Outflows wieder stabilisiert haben. Investoren scheinen zudem weitere Aktionen der Zentralbanken zu erwarten und zeigen sich risiko- und Investitionsfreudig.


Quelle: Bloomberg, IMF

Allerdings weist die Erwartung der Investoren an die Märkte und die tatsächliche Entwicklung der Realwirtschaft eine deutliche Diskrepanz auf. Während viele Kurse seit März stetig steigen, zeigen neue Umfragen, dass die durch Corona bewirkte Rezession länger und ausgeprägter anhalten wird als erwartet. So existieren laut dem IMF in vielen Märkten signifikante Unterschiede zwischen der Bewertung der Unternehmen und ihrem fundamentalen Wert.
Der IWF weist schließlich darauf hin, dass die Krise eine Reihe von bereits existierenden Schwächen verstärken könnte, wie z.B. die private Überschuldung, die Krisenanfälligkeit des Bankensektors gegenüber Insolvenzen oder die Refinanzierungssituation von Emerging und Frontier Markets. Fraglich bleibt, ob Investoren die Lage richtig einschätzen und wie nachhaltig die aktuelle Marktsituation wirklich ist.


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