17.10.2023 | Research

Dekarbonisierung von Portfolios: Tilting oder Engagement?

Ein Team um Vaska Atta-Darkua und Simon Glossner von der University of Virginia haben in einem Research Paper untersucht, in welchem Ausmaß und mit welchen Ansätzen institutionelle Investoren dekarbonisieren. Obwohl zwischen 2005 und 2019 der Anteil börsennotierter Unternehmen an den globalen CO2-Emissionen von 30 auf 41 % anstieg und dies hypothetisch auch auf den Anteil zutreffen müsste, der rechnerisch auf die von institutionellen Investoren gehaltenen Aktien entfällt, blieb der tatsächlich auf die Investoren entfallende Anteil konstant. Die Autoren schließen daraus, dass die institutionellen Anleger relativ zu anderen Anlegergruppen ihre Portfolios dekarbonisiert haben müssen. Es stellt sich die Frage, ob dies eine Folge von Climate-Awareness-bedingten Umschichtungen (Tilting) oder eher Engagement-Bemühungen mit den Portfoliounternehmen ist.



Quelle: Atta-Darkua, Glossner, Krüger, Matos, 2022


Zunächst zeigen die Autoren, dass die Scope-1-Emissionen und die CO2-Intensität der Portfolios von Investoren mit CDP-Mitgliedschaft geringer ausfällt als bei anderen institutionellen Anlegern. Auch dekarbonisieren sie ihre Portfolios schneller. Es zeigt sich, dass die CDP-Anleger vor allem auf Tilting setzen, insbesondere bei europäischen Investoren. Darüber hinaus sind Hinweise auf ein längerfristiges Engagement in den emissionsstärksten Unternehmen nach dem Pariser Abkommen von 2015 zu erkennen. Dass klimabewusste Anleger nach Unternehmen suchen, die grüne Technologien entwickeln oder einen erheblichen Anteil ihrer Einnahmen aus grünen Produkten oder Dienstleistungen erzielen, lässt sich hingegen nicht belegen.



Quelle: Atta-Darkua, Glossner, Krüger, Matos, 2022


Die Autoren geben zu bedenken, dass die Bewältigung der großen Herausforderung des Klimawandels und der Energiewende mehr als nur Portfolio-Tilts erfordert. Institutionelle Anleger, die ihre Portfolios durch Tilting dekarbonisieren, schieben das Problem möglicherweise nur auf andere Anlegergruppen ab, die ggf. noch weniger motiviert sind, die CO2-Emissionen von Unternehmen anzugehen.


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