09.12.2025 | Research

Wirksamkeit von Shareholder Engagement weltweit

Die Wirksamkeit von ESG-bezogenem Shareholder-Engagement hängt stark vom jeweiligen institutionellen Umfeld ab, zeigt ein wissenschaftliches Paper. Grundlage der Studie bilden 93 Interviews und die Auswertung praxisnaher Studien. Es zeigt sich, dass abhängig davon, wie Macht und Abhängigkeiten zwischen Asset Ownern, Asset Managern und Unternehmen verteilt sind, Zielsetzung, Intensität und Instrumente des Engagements erheblich variieren. Ein einheitlicher globaler Engagement-Ansatz ist daher wenig effektiv. 


Quelle: Marti, Chuah, Gond (2025)

Die Autoren Prof. Emilio Marti (Rotterdam School of Management), Prof. Kevin Chuah (Northeastern University) und Prof. Jean-Pascal Gond (Bayes Business School) differenzieren zwei Idealtypen sogenannter „Chains of Influence“. In Owner-zentrierten Systemen können Asset Owner substanziellen Druck auf Asset Manager und Unternehmen ausüben. Dazu zählen unter anderem die USA, das Vereinigte Königreich, die Niederlande, Frankreich, Japan und die Schweiz. In Company-zentrierten Systemen ist der Einfluss von Asset Ownern gering und die Abhängigkeit der Unternehmen von Investoren niedrig, etwa in Brasilien, China, Indien und Südafrika.

Diese strukturellen Unterschiede prägen den gesamten Engagement-Prozess. In Owner-zentrierten Ländern dominieren zentrale Engagement-Teams, klar definierte Ziele zur Verhaltensänderung von Unternehmen, tiefe bilaterale Interaktionen, die Bereitschaft zur Eskalation sowie detaillierte Berichterstattung. In Company-zentrierten Ländern dagegen ist Engagement häufiger dezentral organisiert, dient primär der Gewinnung von ESG-Informationen, erfolgt in größerem Umfang, aber mit geringerer Tiefe, und vermeidet eskalierende Maßnahmen.


Quelle: Marti, Chuah, Gond (2025)

Asset Owner können ihre Wirkung steigern, indem sie Unterschiede zwischen den Systemen strategisch nutzen. Dazu zählen etwa verstärkter Einsatz von Druckmitteln in Owner-zentrierten Ländern, die Finanzierung systemischer Veränderungen in Company-zentrierten Märkten oder die Kombination von lokalem Marktzugang und internationaler ESG-Expertise. Insgesamt unterstreicht die Studie, dass erfolgreiches ESG-Engagement kontextabhängig ist und eine differenzierte, länderspezifische Ausgestaltung erfordert.


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