22.06.2026 | Märkte

Verschiebungen globaler Handelsstrukturen durch KI

Künstliche Intelligenz verändert nicht nur Produktions- und Innovationsprozesse, sondern auch die globale Handelsstruktur. Eine Analyse von Allianz Research betont, dass KI und Handel keine getrennten Politikfelder mehr sind. Das Wachstum von KI hängt von globalisierten Lieferketten für Halbleiter, Recheninfrastruktur und digitale Dienstleistungen ab, während der internationale Handel zunehmend davon geprägt wird, wer KI-Infrastruktur, Datenflüsse und Cloud-Kapazitäten kontrolliert.

Eine Handelsöffnung ist dabei eine strukturelle Voraussetzung dafür, dass KI ihre Produktivität entfalten kann. Sie erklärt rund 23 % der Unterschiede bei der KI-Nutzung zwischen Ländern. Besonders offene Volkswirtschaften wie Singapur, Irland und die Vereinigten Arabischen Emirate weisen hohe Diffusionsraten auf.

 
Quellen: Allianz Research, Weltbank, Microsoft

Die Exporte von Gütern, die für KI-Infrastruktur und KI-Anwendungen benötigt werden, stiegen von 1 Billion US-Dollar im Jahr 2014 auf 3,8 Billionen US-Dollar im Jahr 2025 und machten damit 15% des Welthandels aus. Asien dominiert die Angebotsseite mit 65% der globalen Exporte. Gleichzeitig hat sich die Nachfrage stark auf die USA konzentriert, deren Importe sich seit 2023 verdreifacht haben. Europa verzeichnet dagegen deutlich geringere Zuwächse.

 
Quellen: Allianz Research, Trade Map

Im Dienstleistungshandel kann KI bestehende digitale Ungleichgewichte vergrößern. Der Handel mit IT- und Kommunikationsdienstleistungen ist bereits stark auf wenige Standorte konzentriert: Irland exportierte 2024 mit 173 Mrd. US-Dollar mehr als die übrige EU und die USA. Dies verdeckt jedoch eine strukturelle Abhängigkeit Europas, da die EU ohne Irland ein deutliches Defizit bei diesen Dienstleistungen aufweist und stark auf US-amerikanische digitale Ökosysteme angewiesen ist.

Darüber hinaus identifiziert die Studie drei strukturelle Entwicklungen:
- Kritische Teile der KI-Lieferkette konzentrieren sich zunehmend auf wenige Länder und können dadurch zu Schwachstellen werden.
- Rechenzentren, Cloud-Infrastruktur und Rechenkapazitäten gewinnen geopolitische Bedeutung, weil sie den Zugang zu Daten, KI-Anwendungen und digitalen Dienstleistungen kontrollierbar machen. Für Europa ist diese Abhängigkeit besonders ausgeprägt, sowohl gegenüber den USA als auch asiatischen Hardware-Lieferanten.
- Der industriepolitische Wettbewerb von Subventionen verlagert sich zunehmend zu Exportkontrollen, nichttarifären Handelshemmnissen und regulatorischer Fragmentierung.


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