31.08.2026 | Research

Leitzinsentscheidungen in Emerging Markets

Die Wirkung geldpolitischer Entscheidungen in Schwellenländern hängt maßgeblich von der vorangegangenen makroökonomischen Ausgangslage ab. Zu diesem Ergebnis kommt ein Working Paper des Internationalen Währungsfonds (IWF), das Richtung und Größenordnung der Transmission für elf große Schwellenländer untersucht hat.
So zeigt sich, dass die konjunkturelle und inflationäre Verfassung sowie die vorangegangene geldpolitische Ausrichtung bei der Einordnung von Zinsentscheidungen relevant sind. Die Analyse umfasst Brasilien, Chile, Kolumbien, Ungarn, Indien, Indonesien, Mexiko, Peru, Polen, Russland und Thailand sowie den Zeitraum 1996 bis 2025. Alle Länder verfolgen ein Inflationsziel und verfügen über flexible Wechselkurse. 


Quelle: Lucyna Gornicka, Sumaiyah Mirza, Vina Nguyen, and Jerome Vandenbussche (IMF)

Im linearen Durchschnitt reduziert eine unerwartete Zinserhöhung um 100 Basispunkte das reale Bruttoinlandsprodukt nach zwölf Quartalen um rund 0,6 %. Der Rückgang des Kernverbraucherpreisindex beträgt etwa 0,3 % und ist statistisch weniger eindeutig. 
Die zustandsabhängige Auswertung legt dagegen deutlich unterschiedliche Wirkungsprofile offen. In Rezessionen erreicht der Rückgang der Wirtschaftsleistung nach einer Straffung rund 0,8 %; gegenüber Expansionsphasen wird die Differenz ab dem sechsten Quartal statistisch signifikant. Die Reaktion der Kernpreise bleibt über beide Konjunkturphasen hinweg begrenzt. 
Niedrige Trendinflation geht vor allem mit einer stärkeren Reaktion der Wirtschaftsleistung einher: Der Rückgang erreicht nach zwölf Quartalen etwa 1 %. Bei hoher Trendinflation fällt dagegen die Preisreaktion wesentlich ausgeprägter aus; der Kernverbraucherpreisindex sinkt mit einem Höchstwert von rund 1,2 % im elften Quartal. 


Quelle: Lucyna Gornicka, Sumaiyah Mirza, Vina Nguyen, and Jerome Vandenbussche (IMF)

Auch die Ausgangslage der Geldpolitik beeinflusst die Transmission. Nach einer zuvor lockeren geldpolitischen Phase reagieren Produktion, Investitionen und reales Kreditvolumen stärker auf einen weiteren Straffungsimpuls als nach einer restriktiven Phase. Die Studie verbindet diese Muster mit finanziellen Friktionen, der Preisbildung und der Entwicklung von Verschuldung sowie Risikobereitschaft. Geldpolitische Impulse in Schwellenländern sollten daher nicht isoliert, sondern im Kontext von Konjunktur, Inflationstrend und Zinsniveau bewertet werden.


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