Kritik an institutionellen Infrastrukturinvestments
In einer Marktanalyse hat sich Deutsche Bank Research kritisch mit der Asset-Klasse Infrastruktur auseinander gesetzt. Aktuell beträgt die Finanzierungslücke im Bereich öffentlicher Infrastruktur 1,3 Billionen US-Dollar im Jahr. Selbst unter günstigsten Bedingungen könnte der private Sektor hierzu lediglich 15 bis 20 % beisteuern. Trotz dieses erheblichen Bedarfes an Finanzierungsmitteln verfügt ein Drittel der bestehenden Infrastruktur-Fonds über größere Cash-Bestände, die bisher nicht in aussichtsreiche Investment-Opportunitäten angelegt werden konnten. Grund hierfür ist, dass für viele Infrastrukturprojekte keine nachhaltigen Ertragsaussichten bestehen. In der Folge verschärft sich die Wettbewerbssituation um die relativ wenigen Projekte, die sich durch ihre Ertragsgenerierung für Investoren eignen, was die Renditeerwartungen senkt. Weiterhin ist das Rendite-Risiko-Profil der Asset-Klasse Infrastruktur nicht hinreichend bekannt. Bisherige Untersuchungen basieren auf realisierten Cash Flows und geschätzten Wertentwicklungen, da keine Marktwerte vorliegen. Dies kann zu einer Unterschätzung des tatsächlichen Risikos führen.
Quelle: Deutsche Bank Research
Hinzu kommt, dass mit größeren Zuflüssen in den Infrastrukturbereich seitens der Aufsicht schärfere regulatorische Vorgaben gemacht werden können, was zu höherer Volatilität und entsprechend sinkenden Sharpe Ratios sowie steigenden Korrelationen mit anderen Asset-Klassen führt. Neben dem Kreditrisiko, welches bei Infrastruktur-Loans in etwa einem Rating-Bereich von A bis Baa entspricht, bestehen auch sehr viel komplexer zu quantifizierende politische Risiken, insbesondere in den Emerging Markets. Angesichts der langen Bindungsdauer von Infrastruktur-Investments sollten Investoren zudem Inflationsrisiken berücksichtigen. Um trotz dieser Schwierigkeiten Infrastruktur-Investments unternehmen zu können, sollten Investoren sich zu Konsortien zusammenschließen und ihre Mittel poolen. Durch diesen Schritt wird der Zugang zu direkten Infrastrukturanlagen und professionellem Management erschlossen, ohne dass dabei die Gebühren von Fondsstrukturen anfallen. Solche Konsortien können mittelfristig dazu beitragen, Standardisierungen durchzusetzen, sowohl bei den Anlagebedingungen als auch im regulatorischen Umfeld. Als Alternative zu öffentlicher Infrastruktur besteht zudem die Möglichkeit, in konventionelle Infrastruktur wie Versorgungsunternehmen oder Öl- und Gas-Pipelines zu investieren, die ähnliche Vorteile bieten können.
Absolut Research analysiert institutionelle Publikumsfonds mit Fokus auf Listed Infrastructure jeden Monat in der Publikation Absolut|ranking Listed Infrastructure & Private Equity. Insgesamt umfassen die Absolut|rankings mehr als 11.000 institutionelle Publikumsfonds und ETFs, aufgeteilt in 25 Asset-Klassen und Marktsegmente und mehr als 100 Universen.