Handlungsempfehlungen zur Kapitalmarktunion
In einem Gutachten im Auftrag der Finanzplatz München Initiative hat Professor Dr. Christoph Kaserer die Finanzierungsstruktur deutscher Unternehmen untersucht, Hintergründe und Wirkungen einer europäischen Kapitalmarktunion analysiert und Handlungsfelder aufgezeigt. Schon in den letzten Jahren ist in Deutschland ein Trend zur verstärkten Finanzierung über Eigenkapital zu beobachten. Seit 15 Jahren steigt die mittlere Eigenkapitalquote an, um inzwischen rund 10 Prozentpunkte. Entsprechend ist die Bedeutung der Bankfinanzierungen gesunken, wobei insbesondere bei kleinen und mittleren Unternehmen die Banken in der Finanzierung nach wie vor eine - gerade auch im europäischen Vergleich - wichtige Rolle spielen. Ziel der Bankenunion ist die Verbesserung der kapitalmarktorientierten Finanzierungsbedingungen, insbesondere vor dem Hintergrund der im Zuge der Bankenregulierung eingeschränkten Kreditvergabe des Bankensektors. Da sich Kredit- und Kapitalmärkte allerdings komplementär verhalten, sollten Banken- und Kapitalmarktunion aus einer integrierten Perspektive betrachtet werden. Dies betrifft beispielsweise eine Förderung des Verbriefungsmarktes, der eine Schnittstelle beider Märkte darstellt, etwa durch eine Entlastung der entsprechenden Instrumente bei Solvency II.
Quelle: Kaserer (2015)
Die europäischen Kapitalmärkte sind nach wie vor stark fragmentiert sind, was weniger mit Anlegerschutzrichtlinien als vielmehr kulturellen, technischen und gesellschaftsrechtlichen Aspekten, etwa dem Insolvenzrecht, zu tun hat. Diese Hürden für eine Integration der Finanzdienstleistungs- und Kapitalmärkte müssen schrittweise abgebaut werden. Sinnvoll kann es der Studie zufolge sein, Kreditinstitute mit regionalem Fokus oder unterhalb einer bestimmten Größe von der Bankenunion auszunehmen bzw. vollständig der nationalen Bankenaufsicht zu unterstellen. Gerade für die Finanzierung kleinerer Unternehmen sollte die Frühphasen- und private Beteiligungsfinanzierung gestärkt werden. Angesichts der sehr komplex gewordenen Finanzmarktregulierung empfiehlt das Gutachten weiterhin eine umfassende Analyse der Wechselwirkungen und kumulativen Effekte verschiedener regulatorischer Rahmenwerke. Einen Überblick gibt die abschließende Zusammenstellung der Handlungsfelder. 
Quelle: Kaserer (2015)
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