Mit Strategie(n) diversifizieren
Dramatisch gestiegene Inflationsraten, Zinserhöhungen und makroökonomische sowie geopolitische Unsicherheiten, betrafen im Jahr 2022 alle Asset-Klassen. Ist Diversifikation also nicht geeignet, um Investoren in extremen Marktphasen Schutz zu bieten?
Diese Schlussfolgerung wäre falsch. Wie 2008 gab es auch 2022 gallische Dörfer, die sich den breiten Entwicklungen widersetzten – beispielsweise Managed Futures. Diese Strategien investieren zwar auch schwerpunktmäßig in traditionelle Anlageklassen, weisen aber besondere Eigenschaften auf, die Anlegern in breiten Krisen Schutz bieten. Strategie vor Anlageklasse, so könnte man es in puncto Diversifikation sagen.
Mit alternativen Strategien können Investoren ihre Portfolios also krisenfester machen. Der Fachbeitrag von Robeco zeigt, dass Crash-Prognosen verbessert werden können, wenn diese mithilfe künstlicher Intelligenz (KI) getroffen werden. Gerade bei KI ist es jedoch wichtig, dass man die Entscheidungen, die aufgrund der KI-Ergebnisse getroffen werden, transparent macht, argumentiert Dr. Andreas Sauer in seinem Kommentar. Nur wenn Risiken verstanden werden, kann man ihnen auch begegnen. Flow-basierte Strategien, die bestimmte Verhaltensweisen und Marktdesigns ausnutzen, sind eine weitere interessante Diversifikationsmöglichkeit, zeigen die Autoren von First Private in ihrem Fachbeitrag.
Strategy first galt auch im Faktor-Segment. In diesem Zusammenhang argumentiert Rob Arnott, Gründer von Research Affiliates, in seinem Kommentar, dass Anleger prinzipiell über aktivere Risikomanagement-Strategien nachdenken sollten, um Enttäuschungen und Fehlentscheidungen zu verringern. Themenansätze wiederum sind flexibler als klassische Wachstumsstrategien, erläutert ein Autorenteam von Vontobel.
Dr. Jan Tille
Leiter Research & Liquid Alternatives, Mitglied der Chefredaktion
Ausgabe: Absolut|alternative 01-2023