Zyklisches Anlageverhalten und langfristige Investmentziele
Eine Studie des Internationalen Währungsfonds untersucht prozyklisches Investitionsverhalten institutioneller Investoren. Dafür machen die Autoren Michael Papaioanniou, Joonkyu Park, Jukka Pihlman und Han van der Hoorn fünf Ursachen aus: ein Unterschätzen des Liquiditätsbedarfs, die Existenz von Tail Risks, Anreizstrukturen im Management, Reporting-Verpflichtungen und regulatorische Vorgaben. Hinsichtlich eines mangelnden Liquiditätsmanagements hebt die Forschungsarbeit vor allem Manager offener Investmentfonds hervor, die in fallenden Märkten gezwungen sind, Positionen abzubauen, um Investoren auszubezahlen. Mit einem verwalteten Vermögen von knapp 27 Billionen US-Dollar ist die Fondsindustrie der größte institutionelle Investor der Untersuchung. Die zweitgrößte Gruppe bilden Pensionsfonds mit 20 Billionen US-Dollar an investiertem Vermögen. Hier zeigt die Analyse ein regional unterschiedliches Investitionsverhalten. Pläne in Norwegen, Italien, Polen und der Türkei zeichnen sich demzufolge durch besonders antizyklischen Positionsaufbau aus.
Quelle: IMF (2013)
Weiterhin bemängeln die Autoren eine Synchronisierung des Verkaufsverhaltens durch Regulatoren. Mark-to-Market-Bewertungen oder die Verankerung von externen Ratings führen zu einem parallelen Verhalten und kurzfristig ausgerichteten Anlageverhalten. Allerdings schreiben die Autoren auch, dass das Investorenverhalten in der Phase vor der Finanzkrise ebenso prozyklisch war wie in der Finanzkrise und dass ein gewisses Maß an Zyklizität für den Preisfindungsprozess notwendig ist.
Quelle: IMF (2013)
Insbesondere institutionelle Investoren mit einem langen Anlagehorizont könnten mit einer weniger zyklisch ausgerichteten Zielallokation aber erheblich zur Finanzmarktstabilität beitragen. Eine klar definierte Investmentstrategie basierend auf dem erwarteten Liquiditäts- und Auszahlungsbedarf ist dafür Grundvoraussetzung, schreiben die Autoren. In steigenden wie in fallenden Märkten sollte eine strenge und regelmäßige Anpassung der Exposure-Gewichtungen stattfinden. Im Risikomanagement sollte die feste Bindung an Marktentwicklungen gelockert werden und außerdem eine sorgfältige Prüfung vor einem Investment sichergestellt sein. Die Studie enthält ein umfassendes Rahmenwerk für langfristige Anleger.