Zustand der europäischen Fondsindustrie
Der Risikoappetit der Investoren steigt wieder, wie eine aktuelle Studie von Fitch Ratings zeigt. Getrieben von einer starken Marktentwicklung legten die, von europäischen Asset-Managern verwalteten, Assets seit Juni 2012 um 12 % auf 15,7 Billionen Euro zu, nachdem sie zuvor rund anderthalb Jahre lang bei 14 Billionen Euro stagnierten. Allein im ersten Halbjahr 2013 lagen die Zuflüsse bei 110 Mrd. Euro. Angesichts des sich verbessernden makroökonomischen Umfeldes und der Entschlossenheit der EZB, in der europäischen Staatsschuldenkrise ggf. zu intervenieren, werden vor allem risikoreichere Anlageformen beliebter, so dass seit November 2012 wieder Zuflüsse im Aktienbereich zu beobachten sind. Dies ist für die Branche eine erfreuliche Entwicklung, da diese Produkte gegenüber Fixed-Income-Fonds im Schnitt um 50 % höhere Gebühren aufweisen. Dennoch findet mit 78 % der Großteil der Investitionen unverändert im Bereich Credit statt.
Quelle: Fitch Ratings
Gefragt bei den Investoren sind im Wesentlichen Cross-Border-Fonds, die in mehreren Ländern vertrieben werden, während die ausschließlich auf dem Heimatmarkt angebotenen Fonds auf lange Sicht Mittelabflüsse zu verzeichnen haben. Auf Unternehmensebene sind Mittelzu- und -abflüsse sehr heterogen verteilt. Vor dem Hintergrund der zunehmenden Beliebtheit günstiger passiver Investmentvehikel hat sich die Gewinnmarge der Asset-Manager im Verhältnis zu den Assets under Management seit 2010 um 4 auf 40 Basispunkte verringert; eine Entwicklung, die die Branche auch zukünftig vor Herausforderungen stellen wird.
Quelle: Fitch Ratings
Für die Zukunft rechnet Fitch mit einigen andauernden strukturellen Änderungen im Sektor. Hierzu zählen angesichts geringer kurzfristiger Renditen und Unsicherheiten im regulatorischen Umfeld weitere Mittelabflüsse aus Geldmarktfonds und eine stärkere Fokussierung auf globale und lokale Exposures, was zu Lasten von Produkten gehen dürfte, die ausschließlich auf inländischen Märkten aktiv sind.