Weiterhin starke Weltnachfrage nach Rohstoffen
Die generelle Verteuerung von Rohstoffen in diesem Jahrzehnt steht am Ende einer lang andauernden Phase real sinkender Rohstoffpreise. Aufgrund von Fortschritten in der Rohstoffproduktion blieben die Preise in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts weitgehend stabil. In den letzten Jahren stiegen die Preise für Rohstoffe jedoch spürbar an. Den aktuellen Entwicklungen an den Rohstoffmärkten widmet sich die Studie "Rohstoffpreise 2008" des Hamburgischer WeltWirtschafts Instituts (HWWI).
Zur Untersuchung der Rohstoffpreise berechnet das HWWI einen eigens kreierten Index. Wie an der Entwicklung des HWWI Rohstoffpreisindex zu erkennen ist, war die Entwicklung an den Rohstoffmärkten während des letzten Jahrzehnts durch steigende Preise gekennzeichnet. Der Preisauftrieb entstand hauptsächlich durch die steigende Nachfrage aus aufstrebenden Volkswirtschaften, insbesondere aus China. Gleichzeitig haben die Rohstoffanbieter ihr Angebot kaum ausgeweitet, teils aufgrund der geringen Nachfragesteigerungen in den 1990er Jahren, teils aufgrund langer Vorlaufzeiten bei Investitionen.
Die Preise für Energie, Rohmetalle und Stahl reagierten wegen des hohen Bedarfs in der industriellen Produkten besonders stark auf die Nachfrageänderungen. Agrarrohstoffe und Nahrungsmittel verzeichneten vergleichweise geringe Preissteigerungen. Die Nahrungsmittelpreise stiegen erst in der zweiten Hälfte des Jahres 2007 stärker an. Grund hierfür war die wachsende Nachfrage bei stagnierendem Angebot, dass aufgrund schlechter Ernten in den Jahren 2007 und 2008 und aufgrund mangelnder Produktionsfortschritte in der Landwirtschaft nicht ausgeweitet wurde. Zusätzlich stiegen die Kosten für Herstellung und Transport von Agrarprodukten infolge der höheren Energiepreise. Die Nachfragesteigerungen sind laut der Studie in erster Linie auf einen größeren Wohlstand in Schwellenländern und einer damit einhergehenden Änderung von Ernährungsgewohnheiten zurückzuführen.
Viele Rohstoffpreise sind ab der Jahresmitte 2008 deutlich gesunken. Gründe hierfür seien laut HWWI der konjunkturelle Abschwung in den USA und damit auch der Weltwirtschaft. Bei den Preisen für Industrierohstoffe wäre der Höhepunkt bereits überschritten.Die Ölpreise könnten wieder steigen, wenn politische Krisen auftreten oder die OPEC-Länder ihre Fördermengen wieder beschränken. Da die Nachfrage aus den Schwellenländern auch in schwachen Konjunkturphasen relativ stabil bleibe seien starke Preisrückgänge nicht zu erwarten.