Wachstumsfinanzierung europäischer Zukunftstechnologien
Die zunehmende Deglobalisierung und geopolitische Entwicklungen führen zu einer Neuausrichtung der Kapitalallokation hin zu technologischer Souveränität und industrieller Kapazität. Eine Analyse von DWS legt dar, wie die Finanzierungslücke bei der Skalierung von First-of-a-kind Technologien in Europa entsteht und zeigt, dass unzureichende Wachstumsfinanzierung ein zentrales Hindernis für technologische Souveränität darstellt. First-of-a-kind Technologien sind im kleinen Maßstab erprobt, aber noch nicht industriell skaliert und umfassen u. a. Energie-, Fertigungs- und Dual-Use-Technologien. Zur Skalierung benötigen Unternehmen Wachstumsfinanzierungen, die zwischen Venture Capital und klassischer Bankfinanzierung angesiedelt sind, ein Segment, in dem Europa strukturell unterversorgt ist. Ursächlich ist eine Kombination aus hoher Risikoaversion der Investoren, einem bankenzentrierten und restriktiven Finanzsystem sowie einem kleinen und fragmentierten Venture-Capital-Markt.

Quelle: DWS
Die EU adressiert diese strukturellen Herausforderungen mit der Startup- und Scaleup-Strategie sowie Initiativen wie dem Scaleup Europe Fund und TechEU. Um in Deutschland, das als größte EU-Volkswirtschaft gut positioniert ist, europäische Technologiestrategie in die Praxis umzusetzen, sollen Programme wie EIF German Equity, die WIN-Initiative und der Deutschlandfonds zusätzliche Investitionen mobilisieren und das Innovationsökosystem stärken. Dies umfasst etwa den Ausbau von Fondsstrukturen, steuerliche Anpassungen und eine stärkere Einbindung institutioneller Investoren.
Wachstumsfinanzierung wird als eigenständige Anlageklasse positioniert, die sich klar von traditionellem Private Credit abgrenzt: Sie adressiert gezielt Unternehmen ohne etablierte, stabile Cashflows in einer frühen Skalierungsphase. Daraus resultiert ein eigenständiges Risiko-Rendite-Profil mit höherem Renditepotenzial und gleichzeitig erhöhtem Risiko, das Investoren Diversifikation gegenüber etablierten Corporate-Credit-Exposures ermöglicht. Zentrale Risiken sind Kredit-, kommerzielle und Technologierisiken. Diese können durch strukturierte Finanzierungen, Offtake-Verträge, Sicherheiten sowie die Nutzung von Technology Readiness Levels zur Bewertung des Reifegrads reduziert werden.
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