Vergrößerung der Kapitalmärkte führt zu Wirtschaftswachstum
Eine Forschungsarbeit von Christoph Kaserer von der TU München und Marc Rapp von der Philipps-Universität Marburg im Auftrag der Alternative Investment Management Association (AIMA) zeigt, dass eine Vergrößerung der europäischen Kapitalmärkte um ein Drittel zu einer langfristigen Steigerung des Wirtschaftswachstums um 20 Prozent führen kann. Hierzu untersuchen die Autoren einen Datensatz für Europa, der den Zeitraum 1960 bis 2012 umfasst. Zunächst weisen die Autoren nach, dass die Verfügbarkeit von Kapital positive Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum hat. Werden sowohl private Kredit- als auch öffentliche Kapitalmärkte gleichzeitig berücksichtigt, lässt sich nur für Letztere ein signifikant positiver Effekt nachweisen.
Quelle: Kaserer, Rapp (2014)
Aufgeschlüsselt nach Eigen- und Fremdkapital ergeben sich für beide kapitalmarktbasierte Finanzierungsformen positive Effekte auf das Wirtschaftswachstum. Bei der Betrachtung der am weitesten entwickelten Volkswirtschaften ergeben sich jedoch nur noch im Aktienbereich positive Auswirkungen einer Marktvergrößerung. Dabei kann gezeigt werden, dass die Kausalitätskette vom Wachstum der Finanzmärkte ausgeht und nicht eine wachsende Volkswirtschaft das Wachstum der Finanzmärkte bedingt. Quantitativ geht eine Ausweitung der Standardabweichung der Aktienmarkttiefe um einen Prozentpunkt einher mit einer Steigerung des Wirtschaftswachstums um 31 Prozent. Werden auch die Bond-Märkte berücksichtigt, sind es analog 22 Prozent.
Quelle: Kaserer, Rapp (2014)
Vor allem die hochentwickelten Volkswirtschaften wie Deutschland oder Frankreich, in denen die Unternehmensfinanzierungen traditionell stark kreditorientiert sind, können besonders stark profitieren. Weitere positive Effekte können sich aus der Stärkung der Corporate Governance ergeben: Aktive institutionelle Investoren nehmen größeren Einfluss auf die Unternehmensentwicklung, steigern damit die Effizienz und verbessern die Risikokontrolle.