Timing-Modell für Low-Vola-Strategien
Seit dem Jahr 1980 haben Low-Vola-Strategien klassische kapitalisierungsgewichtete Benchmarks deutlich outperformt - und das nicht nur risikoadjustiert, sondern auch absolut. In einem Forschungspapier untersucht QS Investors, ob die vielfach vorgebrachten Einwände, dass Low-Vola-Aktien aktuell zu hoch bewertet sind und in Phasen steigender Zinsen underperformen, für Investoren relevant sind. Gleichzeitig erweitern die Autoren ihre Analyse um Indikatoren, die eine Outperformance von Low-Vola-Titeln prognostizieren können. Hierzu werden zunächst drei Indikatorengruppen gebildet; Bewertungsfaktoren, darunter das Kurs-Buchwert-Verhältnis, Marktumfeldsindikatoren, etwa die Steigung der Yield-Kurve oder ein Faktor, der Marktturbulenzen anzeigt, sowie makroökonomische Indikatoren wie BIP-Wachstum oder Inflationsrate.
Quelle: QS Investors
Für den Zeitraum 1980 bis 2014 erweisen sich zwei Faktoren als besonders prognosestark, das BIP-Wachstum und der Marktturbulenz-Indikator. Auf absoluter Basis ist ein Einstieg in Low-Vola-Strategien dann sinnvoll, wenn das aktuelle BIP-Wachstum hoch ist und Marktturbulenzen gering ausfallen. Grund hierfür ist, dass in wenig volatilen Zeiten die Investoren nachlässiger bzw. selbstzufriedener werden, was ein Indiz für eine nahe Marktumkehr sein kann. Bewertungsfaktoren dagegen stellen keinen geeigneten Faktor für die Beurteilung des zukünftigen Erfolgs von Low-Vola-Ansätzen dar.
Quelle: QS Investors
Wird das aktuelle makroökonomische Umfeld berücksichtigt, underperformen Low-Vola-Strategien wenig überraschend in Zeiten hohen BIP-Wachstums. Der Indikator mit dem stärksten Effekt ist die Zinsänderung. Auf risikoadjustierter Basis allerdings ist die Underperformance bei steigenden Zinssätzen mit einem Wert von 0,09 sehr gering, die Outperformance im Umfeld sinkender Zinsen mit rund 0,5 dagegen bemerkenswert hoch. Für die zukünftige Entwicklung von Low-Vola-Strategien im Vergleich zu kapitalisierungsgewichteten Benchmarks zeigen die Indikatoren derzeit ein durchwachsenes Bild. Zwar besteht durchaus die Möglichkeit einer weiteren wirtschaftlichen Erholung, ebenso aber auch die Gefahr verfehlter Erwartungen.