Szenarien für das europäische Energiesystem
Eine weitgehende Elektrifizierung aller Wirtschaftssektoren ist kostengünstiger als eine umfangreiche Verwendung von synthetischem Gas oder Wasserstoff, schätzt eine Studie des Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), die drei Szenarien mit möglichen Ausprägungen des europäischen Energiesystems verglichen hat. Jedes Szenario verwendet einen Mix von Energieträgern mit unterschiedlichen Schwerpunkten: ein vorrangig elektrisches System (Szenario Elektrifizierung), ein wasserstoffdominiertes System (Szenario Wasserstoff) und ein System, in dem synthetisches Gas Erdgas substituiert (Szenario Synthetisches Gas). In allen Szenarien wird von einem Ausstieg aus den fossilen Energieträgern Kohle und Erdgas sowie von einer Fortführung der Nutzung von Atomenergie in Europa im heutigen Umfang ausgegangen.

Quelle: DIW
Das Szenario Elektrifizierung erfordert einen umfangreichen Ausbau der Stromnetze, der wegen der flächendeckenden Anbindung aller in Frage kommenden Energieverbraucher größer ist als in den anderen Szenarien. Im Gegensatz dazu entstehen bei einem auf Wasserstoff ausgerichteten Energiesystem Kosten für die Umrüstung der Erdgasrohrleitungen auf den Wasserstofftransport. Alle Szenarien benötigen erhebliche Investitionen in eine kohlenstoffarme Stromversorgung, was mehr als die Hälfte der Investitionskosten darstellt. Der Bedarf an Investitionen in die inländische Stromerzeugung wäre in den Szenarien Wasserstoff und Synthetisches Gas noch höher, wenn nicht ein Großteil der Stromerzeugung in das außereuropäische Ausland ausgelagert und in Form von Wasserstoff und synthetischem Gas importiert würde. Dies führt jedoch zu hohen Importkosten.

Quelle: DIW
Unabhängig davon, ob das zukünftige Energiesystem auf direkter oder indirekter Elektrifizierung (synthetisches Gas und Wasserstoff) basiert, ist ein massiver Ausbau der erneuerbaren Energien erforderlich. Die direkte Elektrifizierung ist für die meisten Anwendungen die kostengünstigste Option und bietet zudem den Vorteil, dass das Energiesystem weniger stark von Importen aus dem EU-Ausland abhängig ist.
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