Systematische Integration von ESG in Anlageentscheidungen
Inwieweit sich ESG-Kriterien systematisch in Investmentprozesse integrieren lassen, ohne dabei die risikoadjustierte Rendite negativ zu beeinflussen, untersuchen Andrew Ang, Gerald T. Garvey und Katharina Schwaiger von BlackRock in ihrem Research Paper.
Zunächst analysieren sie die Effekte von Divestments, also dem Ausschluss ganzer Branchen wie der fossilen Energiegewinnung, der Tabakindustrie oder der Rüstungsindustrie. Dabei zeigt sich, dass solche Ausschlüsse das Anlageuniversum deutlich verkleinern und im Durchschnitt zu niedrigeren Renditen sowie einem höheren Tracking Error führen. So erzielt ein marktgewichtetes Portfolio mit allen Branchen über den Zeitraum von 1969 bis 2023 eine kumulierte Rendite von 249 USD, während ein Portfolio ohne die Branchen Tabak, Verteidigung, Kohle, Öl und Versorger 112,75 USD erreichte. Zugleich beträgt der durchschnittliche Tracking Error gegenüber dem vollständigen Portfolio 1,76 % pro Jahr.

Quelle: BlackRock (Juli 2024)
Im zweiten Teil zeigen die Autoren anhand dreier empirischer Beispiele, dass bestimmte ESG-Merkmale Hinweise auf zukünftige Unternehmensgewinne und Aktienrenditen geben können.
Im Bereich „Umwelt“ (E) entwickeln sie eine neue Kennzahl namens Carbon Emissions Profitability, die misst, wie effizient ein Unternehmen im Verhältnis zu seinen CO2-Emissionen wirtschaftet. Die Ergebnisse zeigen, dass Unternehmen, die bei vergleichsweise niedrigen Emissionen hohe Umsätze generieren, langfristig tendenziell höhere operative Cashflows und Aktienrenditen erzielen.
Im Bereich „Soziales“ (S) verwenden die Autoren Daten der US-Verbraucherschutzbehörde CFPB zur Zahl der Verbraucherbeschwerden als Frühindikator für steigende Kreditausfälle, was mit einer unterdurchschnittlichen zukünftigen Rendite der dort tätigen Banken einhergeht.
Für das Thema „Governance“ (G) untersuchen sie japanische Unternehmen und stellen fest, dass sowohl ein höherer Anteil weiblicher Vorstandsmitglieder als auch eine längere durchschnittliche Amtszeit dieser Frauen positiv mit den künftigen operativen Cashflows der Unternehmen korreliert sind. Diese Diversity-Merkmale fungieren damit als potenziell wertvolle Governance-Signale.

Quelle: BlackRock (Juli 2024)
Theoretisch wird argumentiert, dass ESG-Faktoren nur dann Einfluss auf Bewertungen und erwartete Renditen haben, wenn sie sich auf kurzfristige Cashflows (z. B. innerhalb von fünf Jahren) auswirken.
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