Strategien zur Einflussnahme auf Unternehmen
Divestments und Engagement verstärken sich gegenseitig, zeigt ein Researchpaper von Scientific Beta, in dem die Kompatibilität und Interaktion von Engagement- und Divestment-Strategien diskutiert wird.
Investoren, die mit den ESG-Aktivitäten eines Unternehmens, in das sie investiert haben, unzufrieden sind, können grundsätzlich durch zwei ESG-Strategien das Unternehmensverhalten positiv beeinflussen: Divestments und Engagement. Die Mechanismen, durch die eine positive Veränderung angeregt wird, unterscheiden sich. Divestments (einer kritischen Anzahl von Investoren) erhöhen die Kapitalkosten des betroffenen Unternehmens. Dadurch kann Druck auf die Unternehmensführung ausgeübt werden. Der Anteil der Investoren, die divestieren, sollte bei mindestens 20 % liegen, um einen Effekt zu erzeugen. Unter Engagement versteht man den Dialog zwischen Anteilseignern und der Unternehmensführung, der auch Proxy-Voting oder das Verfassen von Shareholder Resolutions umfasst. Die Veränderung wird hierbei auf verschiedenen Ebenen angestoßen durch Kommunikation, Know-How und Schaffung von Bewusstsein sowie politische Maßnahmen.

Quelle: Scientific Beta (2020)
Die Autoren argumentieren, dass die Ansätze komplementär angewendet werden können und sich in ihrer Wirkung unterstützen und gegenseitig verstärken. Divestments sind in diesem Sinne die ultimative Konsequenz eines gescheiterten Engagement-Prozesses, ein Drohpotenzial, durch das Engagement erst effektiv wird.
Im zweiten Teil des Papers untersuchen die Autoren die Effektivität verschiedener ESG-Strategien und Engagement bzw. Divestments. Empirische Ergebnisse zeigen, dass sowohl ESG-Filteransätze wie normbasiertes Screening oder Ausschlüsse als auch ESG-Integrations-Strategien, bei der sowohl ESG-Daten als auch traditioneller finanzieller Input im Portfolio-Konstruktionsprozess verwendet werden, effektiv sein können. Allerdings haben Divestments, die durch ESG-Mixing-Strategien zustande kommen, weniger Wirkung als klare Filter-Ansätze. Bspw. können Faktoren und ESG-Kriterien durch einen ESG-Tilt bei der Indexgewichtung kombiniert werden. Dabei können niedrige ESG-Scores durch starke finanzielle Charakteristika überschrieben werden und andersherum. Das kann zu größeren Divestments aus Unternehmen mit guter ESG Performance führen als es bei Filteransätzen der Fall wäre. So kann kein klares Signal an die Unternehmen hinsichtlich ihrer ESG-Aktivitäten gesendet werden.
Mit der Publikation Absolut|impact zeigt Absolut Research das Spektrum nachhaltiger Investments für institutionelle Investoren auf. Anleger erfahren durch Fachbeiträge zu Strategien, Trends, Methoden und Regulierung, wie sie nicht nur ihr Portfolio, sondern auch gesellschaftliche Veränderungen (mit)gestalten können.