28.08.2018 | Märkte

Stranded Assets im Zwei-Grad-Szenario

UBS hat sich in einer Marktanalyse dem Thema Stranded Assets gewidmet und untersucht, ob Unternehmen der Kohle- und Erdöl-Branche überbewertet sind und aus dem Portfolio ausgeschlossen werden sollten. Hinterfragt wird die Hypothese, ob fossile Rohstoffe unrentabel werden, wenn der Verbrauch und somit auch der Ölpreis zur Erfüllung des 2°C-Ziels fallen werden. Zur Evaluierung wird der Wert der Reserven fossiler Energien aus dem Barwert der zukünftigen Cashflows, die aus der Exploration und Produktion von Öl- und Gasreserven gespeist werden, berechnet. Die Cashflows werden anhand einer Bottom-up-Analyse von Wood Mackenzie für drei Szenarien erhoben, bei der Veränderungen u.a. in der Produktion, Kosten, Transport, Verarbeitung berücksichtigt werden.


Quelle: UBS, Bloomberg, Finance LP, Wood Mackenzie

Wird der Barwert zum Unternehmenswert ins Verhältnis gesetzt, wird deutlich, dass Unternehmen nicht automatisch als Stranded Assets eingeordnet werden sollten, da sie nach den Ergebnissen der Untersuchung immer noch zukünftige Cashflows generieren werden, nachdem Grenzwerte überschritten sind und fossile Brennstoffe nicht mehr zur Verfügung stehen.


Quelle: UBS, Bloomberg, Finance LP, Wood Mackenzie

Es zeigt sich aber auch, dass aus heutiger Sicht nur sehr wenige der untersuchten Unternehmen eine attraktive Rendite bieten können, sollte der Ölpreis für die nächsten 20 Jahre niedrig bleiben (ca. 70 USD). Steigt der Ölpreis auf ein hohes Niveau, würde mehr als die Hälfte der untersuchten Unternehmen einen Barwert erreichen, der über dem aktuellen Unternehmenswert liegt. Einige börsennotierte Öl- und Gasunternehmen sind aus einer langfristigen Anlageperspektive für Investoren unattraktiv. In einigen der Szenarien können bestimmte Öl- und Gasunternehmen aber weiterhin eine attraktive Investition darstellen.

Angeführt wird auch, dass der Markt die Risiken rund um fossile Ressourcen bereits entsprechend einpreist. Sobald die Produktion nicht mehr wirtschaftlich rentabel ist, würde das Unternehmen abgestraft. Außerdem reagieren einige Unternehmen bereits auf die Veränderungen des Ölpreises, indem Kosten reduziert, Vermögenswerte verkauft, Kapital aufgenommen oder Dividendenzahlungen reduziert werden.

Generell muss also im Einzelnen geprüft werden, ob ein Unternehmen allein aus wirtschaftlicher Perspektive als Stranded Asset zu klassifizieren ist. Da der Fokus der Untersuchung ausschließlich auf Cashflow und Barwert lag, haben in den Ergebnissen politische oder ethische Aspekte keine Rolle gespielt.


Eine wachsende Zahl von institutionellen Investoren verfolgt insbesondere seit der Pariser Klimakonferenz das Ziel, die Risiken fossiler Energien im Portfolio zu minimieren. Dabei vermischen sich finanzielle mit gesellschafts- und klimapolitischen Motiven. Rolf D. Häßler vom NKI beleuchtet in einem Fachbeitrag in Ausgabe 1|2016 des Absolut|imapct Ausgangspunkt, Stand und Grenzen dieser Divestment-Strategien.

Absolut Research analysiert institutionelle Publikumsfonds mit Fokus auf Nachhaltigkeit jeden Monat in den Publikationen Absolut|ranking Sustainability Equity und Sustainability Balanced & Fixed Income. Insgesamt umfassen die Absolut|rankings mehr als 12.000 institutionelle Publikumsfonds und ETFs, aufgeteilt in 27 Asset-Klassen und Marktsegmente und mehr als 110 Universen.

Abonnenten von Absolut Research können weiterführende Informationen hier herunterladen:
Mehr zum Thema "Stranded Assets"
zurück