Spread-Entwicklung von G7-Staatsanleihen
In einem Forschungspapier der Europäischen Zentralbank, das Ende März erschienen ist, untersuchen die beiden Autoren die Preismechanismen für Schuldpapiere der G7-Staaten. Die Analyse von Antonello D'Agostino und Michael Ehrmann belegt eine deutliche Asymmetrie in der Bedeutung unterschiedlicher Risikofaktoren und fundamentaler Wirtschaftsdaten für die beobachteten Spreads zwischen 1993 und 2011. Der Erklärungsgehalt einzelner Variablen schwankt sowohl zwischen Staaten als auch für einen einzelnen Staat stark im Zeitablauf. Während der Dot-Com-Blase hat demnach eine sinkende Wachstumserwartung für die USA zu fallenden Renditen auf amerikanische Treasuries geführt. Für andere Perioden ist dieser Zusammenhang nicht nachzuweisen.
Quelle: D'Agostino, Ehrmann (2013)
Dieses Muster ist besonders ausgeprägt in den Spreads innerhalb der Eurozone, zwischen deutschen und französischen, sowie deutschen und italienischen Staatspapieren. Neben Makrodaten gewinnen auch Risikoaversion und Liquidität erst mit Ausbruch der Finanzkrise an Erklärungsgehalt, nicht aber in den Anfängen der Währungsunion. Die Autoren gehen daher der Frage nach, ob es zu einer Über- oder Unterbewertung der Risikofaktoren in den beobachteten Spreads gekommen ist. In der Zeit bis zur Finanzkrise deutet ihr Modell allerdings nicht daraufhin, dass Risikofaktoren systematisch unterbewertet wurden. Für die Phase seit 2008 liefert ihr Modell keine signifikanten Ergebnisse.