Safe Assets und Finanzmarktstabilität
Ein aktueller Forschungsaufsatz der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIS) diskutiert den Mangel an sicheren Anlageformen und zieht daraus Konsequenzen für die Marktstabilität. Der Ausfall top-bewerteter amerikanischer Hypothekenkredite 2007 und 2008 hat den Autoren zufolge gezeigt, dass nur der öffentliche Sektor in der Lage ist, sichere Anlagen bereitzustellen. Allerdings widerlege die Schuldenkrise der Eurozone diese These, schreiben Pierre-Olivier Gourinchas und Olivier Jeanne. Denn die zentrale Voraussetzung ist das Vorhandensein einer unabhängigen Zentralbank, die Hoheit über die Währungspolitik hat und gleichzeitig als Lender of Last Resort Staatspapiere aufkaufen kann. In der Eurozone haben aktuell aber nur deutsche Titel den Status quasi-sicherer Anleihen.
Quelle: Gourinchas, Jeanne (2012)
Gleichzeitig darf durch das Eingreifen der Zentralbank aber keine Inflation ausgelöst werden und ebenfalls muss die Fiskalpolitik ausreichend Ressourcen zur Tilgung hervorbringen, um die Sicherheit der Staatspapiere zu garantieren. Der Gegensatz zwischen einem ausgeglichenen Haushalt und dem unbegrenzten Bereitstellen sicherer Anlagen für den Finanzsektor führt dazu, dass Kennzahlen wie die Schuldenquote an Bedeutung verlieren. So ließe sich etwa erklären, dass Japan trotz einer Schuldenquote von über 200 % der Wirtschaftsleistung nur sehr niedrige Zinsen zahlt. Neu ist auch die Erkenntnis, dass die Monetarisierung öffentlicher Schulden nicht automatisch zu Hyperinflation führt. Vielmehr zeigt das Modell der beiden Autoren, dass auf Grundlage eines ausgeglichenen Haushalts der Kauf von Staatsanleihen durch die Zentralbank mit nur geringem Inflationsrisiko einhergeht.