19.07.2022 | Research

Rohstoffpreise, Inflation und Wachstum

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich hat in einem Research Paper die Auswirkungen der aktuellen Rohstoffpreissteigerungen auf Inflation und Wachstumsrate in den Industrieländern untersucht. Dabei unterscheiden die Autoren drei Kanäle, über die steigende Rohstoffpreise die Volkswirtschaften beeinflussen können: Erstens die Inflationsrate, da Rohstoffpreise einen engen Zusammenhang zu den Preisen von Konsumgütern aufweisen. Zweitens über veränderte Produktionsmuster. Unternehmen können teure Input-Faktoren durch günstigere ersetzen, was die Wachstumsrate kurzfristig beeinflussen kann. Drittens ergeben sich Auswirkungen auf die Handelsbilanzen, da sich die Auswirkungen für Rohstoff exportierende bzw. importierende Länder unterscheiden.

Die Autoren betrachten 19 Länder, wobei zwischen Rohstoffex- und -importeuren unterschieden wird. Es zeigt sich, dass steigende Rohstoffpreise einen deutlichen negativen Effekt auf die Wachstumsrate der Volkswirtschaften haben können – insbesondere, wenn die steigenden Preise die Folge eines sinkenden Angebots sind. Ein Anstieg der Ölpreise um 10 % würde mit einer BIP-Reduzierung um 0,5 % einhergehen. Die aktuellen Entwicklungen könnten zu einer Reduzierung des BIPs um 0,7 Prozentpunkte bis Ende 2023 führen. Dabei sind die Effekte in importierenden Ländern sowohl für die Haushalte als auch die Unternehmen negativ. In exportierenden Ländern hingegen können Unternehmen durchaus von steigenden Rohstoffpreisen profitieren, die Verbraucher hingegen tendenziell nicht.
 


Quelle: Igan, Kohlscheen, Nodari, Rees, 2022
 

Wenig überraschend heizen höhere Rohstoffpreise die Inflationsrate an. Im Mittel dürfte die aktuelle Entwicklung in Industrieländern zu einer Zunahme der Inflationsrate um 1 Prozentpunkt führen. Diese Effekte sind nicht auf die Energie- und Lebensmittelpreise beschränkt, sondern gehen mit Spillover-Effekten in anderen Bereichen einher, wenn auch nicht ganz so stark.

Die Autoren halten fest, dass die seit den 1970ern abgenommene Energieintensität der Volkswirtschaft dazu führen kann, dass zunehmende Energiepreise keine so starken Auswirkungen nach sich ziehen wie in der Vergangenheit. Auch war die Teuerung in den vergangenen Jahren sehr niedrig, was Hoffnungen schürt, dass und Spillover-Effekte beschränkt bleiben. Auch wenn ein Stagflationsszenario wie in den 1970ern unwahrscheinlich ist, können die Rohstoffpreisentwicklungen negative Auswirkungen nach sich ziehen.

 

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